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Begegnung

Ich – also Harry Potter - saß mal wieder bei Ed in der Kneipe, starrte in mein Getränk und dachte über mein Leben nach. Das tat ich in letzter Zeit öfter, weil gerade in jener letzten Zeit so viele Dinge passiert waren, die mich total verwirrten.


Angefangen hatte alles, als ich am Ende meines siebten und letzten Hogwarts-Jahres zum letzten Mal auf Lord Voldemort gestoßen war. Ein langer und erbitterter Kampf war erbrannt, bei dem zunächst keiner die Oberhand hatte gewinnen können. Doch dann hatte ich von einer Seite Hilfe bekommen, von der ich sie nie erwartet hätte: Mein Erzfeind, Draco Malfoy, hatte einen Fluch auf Voldemort abgefeuert, der diesen so lange abgelenkt hatte, dass ich ein atemloses „Avada Kedavra“ herauswürgen konnte, bevor ich vor lauter Schmerz in meiner Narbe in Ohnmacht gefallen war.

Doch damit war es vorbei gewesen, Voldemort, der dunkle Lord, Du-weißt-schon-wer oder wie man ihn sonst noch nennen mochte, war tot! Von Harry Potter getötet!

Als ich aufgewacht war, hatten mehrere Auroren um mich herum gestanden, unter ihnen war auch Tonks gewesen, und Dumbledore hatte gemeinsam mit Malfoy neben mir gekniet. Hatte ich es mir damals nur eingebildet, es war immerhin Recht dämmrig gewesen, oder hatte Malfoy wirklich für einen Moment besorgt ausgesehen? Jedenfalls hatte er sich sofort wieder im Griff und schnauzte: „Na endlich Potter, ich hab schon gedacht, du pennst den ganzen Tag“ und an Dumbledore gewandt: „Darf ich jetzt gehen?“ „Ja, Draco, Sie dürfen gehen, aber passen Sie auf sich auf. Sie haben heute viele ihrer alten Freunde gegen sich aufgebracht!“
Und bevor Harry noch richtig realisieren konnte, was eigentlich passiert war, war Malfoy mit einem plopp verschwunden gewesen.


An die Zeit danach erinnere ich mich nur noch verschwommen. Ich war einfach zu erschöpft gewesen, um mehr mit zu bekommen, ich wusste nur, dass ich mich plötzlich auf einer Bühne eingeklemmt zwischen Professor Dumbledore und dem Zaubereiminister Scrimgeour wiederfand, der offensichtlich gerade dazu ansetzte, eine seiner langatmigen Reden zu halten - oder doch nicht? Jedenfalls sagte er kein Wort und schaute nur mich an, der ich in diesem Moment einen leichten Stoß von Dumbledore verpasst bekam, welcher mir zuzischte: „Sag etwas Harry, diese Leute sind schließlich alle hierher gekommen, um von dir zu hören, dass Voldemort tot ist!“ Also hatte ich es gesagt: „Lord Voldemort ist tot!“, hatte mich umgedreht und war gegangen. Scrimgeour hinter mir auf der Bühne bekam einen lautstarken Wutanfall, weil ich seine ganze PR-Planung über den Haufen geworfen hätte und man konnte Dumbledore leise lachen hören, aber das interessierte mich nicht. Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben. Ich war es Leid, immer angestarrt zu werden, als wäre ich ein Ausstellungsstück im Museum. Ich hatte getan, was die Leute von mir gewollt hatten, ich hatte die Zaubererwelt gerettet, Voldemort getötet, jetzt wollte ich einfach nur alles vergessen.

Doch wie ich bald merkte, ging das nicht so einfach. Sirius Haus, in dem ich seit diesem Tag lebte, wurde ständig von Reportern umlagert und ich konnte noch nicht mal in den Supermarkt gehen, ohne mich lästigen Fragen und Autogrammwünschen hysterisch kreischender Mädchen ausgesetzt zu sehen.


Ich hatte etwas tun müssen, also hatte ich das einzig Mögliche getan: Ich hatte mich vollkommen aus der Zaubererwelt zurückgezogen und lebte seitdem (fast) wie ein Muggel. Na gut, ich zauberte schon noch dann und wann, aber ich ließ sich nicht mehr an solchen Orten wie der Winkelgasse blicken, traf keine Zauberer mehr (noch nicht einmal Ron und Hermine, die sowieso seit einiger Zeit nur noch Augen füreinander hatten...) und arbeitete in der Muggel-Volkshochschule als Hauswirtschaftslehrer, das war nämlich das Einzige, was ich jemals bei den Dursleys gelernt hatte: Kochen und putzen.

Also saß ich jetzt wie fast jeden Abend in Eds Kneipe, die nur ein paar Straßen entfernt von meiner neuen Wohnung lag [A/N: Nein, natürlich hatte Harry Sirius Haus nicht verkauft!] und blies Trübsal.

Hinter mir hörte ich die Tür auf und wieder zu gehen und ich erzitterte leicht im hereinwehenden kalten Luftstrom. Aber ich sah nicht auf, mir war im Moment alles egal, ich hatte so ziemlich meinen emotionalen Tiefpunkt erreicht.

Da sagte eine schnarrende Stimme hinter mir laut: „Ah, Potter, hier bist du, ich hab dich schon gesucht.“ Erschreckt fuhr ich herum, wobei ich den Barhocker umwarf, auf dem ich bis gerade eben gesessen hatte.

Vor mir, fest in einen Muggelmantel gehüllt, stand Draco Malfoy!

Auf dem Weg

„Was willst du, Malfoy?“, fragte ich, nicht gerade freundlich, denn obwohl Malfoy mir sicherlich gegen Voldemort das Leben gerettet hatte, so hatte ich doch nicht das Gefühl, dass sich zwischen uns irgendetwas verändert hätte. Wir waren schon immer Feinde gewesen und ich war mir sicher, dass das wohl auch immer so bleiben würde.

„Mit dir reden, Potter“, fauchte Malfoy genauso angriffslustig zurück (hatte ich doch Recht gehabt). „Aber nicht hier, da könnte man sich ja auch gleich Mitten auf den Picadilly Circus stellen und sich anbrüllen, so neugierig sind die hier auf irgendwelche Nachrichten!“ Dabei deutete er mit dem Kopf auf Ed, der wirklich nichts anderes zu tun zu haben schien, als sie beide zu belauschen. Nicht, dass sie sich großartig Mühe gegeben hätten, leise zu sprechen, aber das ging dann doch ein bisschen zu weit.

„Okay“, sagte ich, „komm mit!“ Und damit drehte ich mich um, schnappte mir meinen Mantel von der Garderobe, zog ihn mir über, schließlich war es Winter und somit bitterkalt, und rauschte aus dem Pub.

„He, Potter, warte“, rief Malfoy mir hinterher und tatsächlich blieb ich stehen und drehte mich um.

Vor mir stand Malfoy, atemberaubend nah vor mir, um genau zu sein. Ich konnte ihm direkt ihn seine wunderschönen, tiefgrauen Augen sehen. (Moment mal, was dachte ich denn da, das ging doch echt nicht. Malfoys Augen waren nicht wunderschön, noch nicht mal schön oder überhaupt bemerkenswert. Okay, sie waren vielleicht ein bisschen bemerkenswert, aber eigentlich doch nicht!) Ich merkte, wie sich die Haare auf meinem Nacken elektrisiert aufstellten und trat schnell einen Schritt zurück, während ich Malfoy immer noch wie ein hypnotisiertes Nilpferd anstarrte.

Der starrte für einen Moment zurück, dann fragte er, während er sein typisches, affektiertes Grinsen aufsetzte (natürlich fehlte auch die unvermeidliche gehobene Augenbraue nicht), gelassen: „ Wo gehen wir eigentlich hin?“

Darüber hatte ich mir ehrlich gesagt noch keine wirklichen Gedanken gemacht, wo sollten sie hin? Schnell ging ich im Geiste alle möglichen Alternativen durch:

Der Tropfende Kessel? – nein, auf gar keinen Fall ein magischer Ort, da würden sich nur wieder alle das Maul zerreißen.

Und irgendein Muggellokal? – nein, die würden sich nur wundern und man konnte auch nicht frei reden.

Meine Wohnung? – nein, ich würde Malfoy ganz bestimmt nicht mit zu mir nach Hause nehmen, wie sähe das denn aus? Und außerdem würde ich ihm sicherlich keine Gelegenheit geben, in meinen Privatsachen rumzuwühlen.

Da blieb mir nur noch eins übrig: Der Grimmauldplatz Nummer 12!

Dazu musste ich Malfoy allerdings dessen Standort verraten, denn obwohl Voldemort [A/N: Wehe irgendeiner von euch zuckt zusammen ;-P] tot war, war das Haus am Grimmauldplatz immer noch von gewissen Geheimniszaubern verborgen und da es ja jetzt mein Haus war, war ich natürlich auch der Geheimniswahrer. Na gut, brachte ich es also schnell hinter mich.

„Hey, Potter, krieg’ ich heute noch ’ne Antwort?“, ließ sich da auch schon Malfoy vernehmen. Dieser arrogante Idiot, ich hätte ihn auf der Stelle erwürgen können! Wieso brachte er mich nur immer so schnell auf die Palme? Er hatte doch auch gute Seiten: ... ähm, oder doch nicht? Na ja, das musste ich neidlos (okay, vielleicht nicht ganz sooo neidlos) zugeben, wie Malfoy da so vor mir auf dem Gehsteig stand, sah er echt verboten gut aus... Aber Malfoys Aussehen stand hier nicht zur Debatte und außerdem hatte ich mir doch vorher auch noch nie Gedanken darüber gemacht!

Also weiter im Text. „Malfoy, wenn du Irgendjemandem, einschließlich etwaigen Freunden oder Bekannten, irgendetwas von dem erzählst, was ich dir jetzt gleich sagen werde, bist du tot! Hab ich mich klar ausgedrückt?“

„Das war aber keine Antwort auf meine Fra... Ja, glasklar“, berichtigte sich Malfoy schnell, als er meinen Zauberstab auf sich gerichtet sah.

„Gut“, meinte ich, nahm Malfoy am Ärmel und zog ihn hinter mir her in eine kleine Seitengasse. „Ich weiß nicht, ob du das schon weißt, schließlich bist du mit ihnen verwandt, aber die Blacks haben ein Haus hier in London“

„Wusste ich nicht“

„Jedenfalls hat Sirius Black, mein Pate, mir dieses Haus nach seinem Tod vermacht. Und bis letzten Sommer war es auch das Hauptquartier des Phönixordens, äh, du weißt, was das ist, oder?“

„Ja, weiß ich! Hör zu, Potter, warum erzählst du mir diesen Schwachsinn?“

„Halt die Klappe, Malfoy! Deshalb, also wegen dem Phönixorden, ist das Haus mit verschiedenen Abwehrzaubern gesichert. Und deshalb ist es ein ziemlich guter Ort, um sich zu unterhalten, jedenfalls besser als hier... Aber, damit du auch hin kannst muss ich dir jetzt sagen, wo es liegt, sonst können wir das ganze vergessen! Und wie gesagt: Wenn du auch nur ein Wort davon verlauten lässt, bring ich dich um!“

„Okay!“

Genervt mit den Augen rollend beugte ich mich vor, um Malfoy den Codesatz ins Ohr zu flüstern. Doch der trat mit entsetztem Gesicht einen Schritt zurück und sah mich total seltsam an, fast als ... hätte ich versucht, ihn zu küssen, oder so... Moment mal, war das vielleicht genau das, was Malfoy vermutete?

„Komm, Draco, zier dich nicht so!“, säuselte ich mit einem gemeinen Grinsen auf dem Gesicht. Als ich eben jenen entsetzt die Augen aufreißen und noch einen Schritt zurückweichen sah, prustete ich lauthals los. „Du hast doch nicht im Ernst gedacht... haha...“ „Was, dass du mich küssen willst? Doch, eigentlich schon!“, fauchte Malfoy angriffslustig. „Dir wäre so was sicherlich zu zu trauen!“

Das brachte mich nur noch lauter zum Lachen. „Quatsch, Malfoy! Ich wollte dir nur sagen, wie man ins Haus kommt!“

„Na ja“ (Wow, ich hatte Malfoy noch nie rot werden sehen, ein bisschen Farbe stand ihm echt gut.) „Wie denn?“

Wieder beugte ich mich vor und flüsterte Malfoy diesmal wirklich ins Ohr: „Wenn wir da sind, denk einfach: ‚Das Hauptquartier des Phönixordens befindet sich am Grimmaulplatz Nummer 12, London.“

„Das ist alles?“, fragte Draco (Quatsch; Malfoy!) ungläubig.

„Ja, das ist alles. Und jetzt lass uns gehen, oder ich frier mir hier sonst noch was ab!“, meinte ich, wieder in meine anfängliche, mürrische Stimmung zurückfallend.

Somit packte ich Malfoy am Handgelenk (ohne darauf zu achten, dass dieser sich mächtig sträubte), guckte noch einmal, ob niemand guckt [was’n Satz] und stellte mir den Platz genau vor, an dem das alte Haus der Blacks stand. Augenblicke später standen wir vor den Backsteingebäuden der Häuser Grimmaulplatz Nr. 11 und 13.

„Wo ist denn dein Haus?“, fragte Draco (verdammt noch mal: Malfoy!) und sah sich verdutzt um.

„Sag mal, hast du mir gerade irgendwie nicht zugehört oder so?“, stöhnte ich genervt, „du musst an das denken, was ich dir gesagt habe!“

„Ach so!“, meinte Malfoy (Juhu, geschafft!) und Sekunde später blähte sich zwischen Nr. 11 & Nr. 13 das Haus auf, in dem ich die meiste Zeit mit Sirius verbracht hatte.

„Sieht ja nicht sonderlich einladend aus“, meinte Draco.

„Soll ja auch nicht einladend aussehen“, war alles, was ich dazu zu sagen beabsichtigte, nachdem ich aber Dracos (ähm... Malfoys?) fragenden Blick gesehen hatte, ließ ich mich doch dazu herab ein geknurrtes „Schwarzmagier, da müsstest DU doch eigentlich was von verstehen!“ heraus zu bringen, um dann die Treppe hoch zu steigen und die Tür auf zu stoßen. „Kommst du?“

„Ja, ja! Pff, Schwarzmagier!“

Ich mochte die Eingangshalle des Hauses nicht, mit all den dunklen Vorhängen, Spinnweben, den Porträts, die allesamt finster drein blickten und den abgeschlagenen Hauselfenköpfen an der Wand war sie eher ungemütlich. Also machte ich mich schnellen Schrittes daran, die Halle zu durchqueren und die Treppe hinunter in die Küche zu gehen. Dabei achtete ich nicht darauf, ob Draco mir folgte.

Das erwies sich einige Sekunden später als großer Fehler. Denn schon hörte ich von oben einen markerschütternden Schrei. Na, wunderbar, Sirius Mum hatte wieder angefangen zu schimpfen. Das konnte ja heiter werden. Aber nein, diesmal klang die Stimme dieses schlechtesten Machwerks eines untalentierten Malers eindeutig erfreut.

„ENDLICH IST JEMAND HIER, DER ES AUCH VERDIENT HAT! ENDLICH KEINE BLUTSVERRÄTER UND SCHLAMMBLÜTER MEHR! ENDLICH EINER, DER DEN NAMEN DER BLACKS AUCH MIT WÜRDE WEITERERHÄLT!...“

Das war ja wohl nicht war! So schnell ich konnte rannte ich die Treppe hoch zurück in die Halle. „Halt endlich die Klappe, du alte Sabberhexe!“, fauchte ich wütend als ich oben angekommen war.

Sofort änderte sich ihr Verhalten vollkommen: „WIDERLICHER HALBBLÜTER, BLUTSVERRÄTER, ABSCHAUM, SCHANDE DER ZAUBERERSCHAFT, DRECK, MISSGEBURT!!! VERSCHWINDE AUS MEINEM HAUS!!!“

„Nur zur Erinnerung: Es ist mein Haus“, fauchte ich und zog die sich sträubenden Vorhänge vor dem Bild der alten Mrs. Black zu.

„Na, jetzt hattest du also das Vergnügen, Sirius’ reizende Mutter kennen zu lernen“, wandte ich mich daraufhin an Draco ... Malfoy.

„Also ich finde sie ja ausgesprochen sympathisch, wenigstens eine hier, die eine edle Abstammung erkennt“, meinte der mit einem gemeinen Grinsen.

Genervt verdrehte ich die Augen. „Wenn du nur her gekommen bist, um mir wieder auf die Nerven zu gehen, dann kannst du auch gleich wieder verschwinden!“

„Nicht wirklich, ich wurde geschickt. Aber willst du das wirklich so zwischen Tür und Angel besprechen?“

„Komm mit“, seufzte ich zu wiederholten Mal an diesem Abend.

Draco folgte mir ohne zu murren runter in die Küche, überhaupt war er heute erstaunlich fügsam, er hatte mich noch nicht einmal wirklich beleidigt...

„Willst du was trinken?“, fragte ich Draco, als wir unten angekommen waren.

„Sicher, ich nehme ein Glas Prosecco, eisgekühlt, bitte!“ (Wie arrogant konnte man eigentlich tun?)
„Hmm“, murmelte ich und warf einen Blick in die Vorratskammer, „haben wir nicht! Nur ... Kürbissaft – aber ich weiß nicht von wann der ist, Butterbier und Feuerwhisky.“

„Whisky“, meinte Malfoy gelangweilt.

Ich nahm die Flasche aus dem Regal, suchte zwei nicht allzu verstaubte Gläser heraus und goss den Whisky ein. Ein Glas stellte ich vor Draco ab, der sich mittlerweile an den Tisch gesetzt hatte, das andere behielt ich selbst, als ich mich Draco gegenüber setzte.

Ich nahm erst einen kleinen Schluck, bevor ich leise fragte: „Also, Dra... Malfoy, wer hat dich weshalb zu mir geschickt?“

Erklärungen

„Nun“, meinte Draco leise, „wer mich zu dir geschickt hat? Das Ministerium. Um genau zu sein, der neue Leiter der Abteilung für magische Spiele und Sportarten, Thomas Atherby. Und warum? Nun ja, erinnerst du dich noch an die letzte Quidditchweltmeisterschaft?“

Natürlich erinnerte ich mich noch, wir waren uns da im Wald begegnet, als Dracos Vater und einige von dessen Todesserfreunden eine unschuldige Muggelfamilie über den Zeltplatz hatten schweben lassen. Doch ich war mir ziemlich sicher, dass es ganz bestimmt nicht das war, worauf Draco (Mensch, ich nannte ihn ja immer noch so, wenn mir da bloß nichts rausrutschen würde...) hinaus wollte. Schließlich hatte er von Sport geredet... Also lieber einfach mal antworten und sehen, worauf es hinaus lief: „Ja, klar! So blöd bin ich nun auch wieder nicht!“

„Da wäre ich mir nicht so sicher“, meinte Draco mit seinem üblichen verschlagenen Grinsen. „Jedenfalls erinnerst du dich dann sicherlich auch noch daran, was mit der englischen Nationalmannschaft passiert ist“ – „Jaaa, wir sind gegen Transsilvanien mit 390 : 10 untergegangen, voll peinlich!“ – „Genau, und deshalb haben sie jetzt, vor der nächsten Weltmeisterschaft, ein neues Team gegründet.“ – „Ist doch gut so.“ – „Ja schon, aber sie - oder besser gesagt wir - haben ein Problem, wir haben keinen Sucher!“

„Und das heißt jetzt für mich?“, fragte ich verdutzt.

„Verdammt, Potter, bist du echt so blöd oder tust du nur so? Du sollst den Posten übernehmen!“, stöhnte Draco genervt auf.

„Ich? Wieso machst du das nicht, du hast doch auch fünf Jahre lang als Sucher gespielt?“, fragte ich noch ein wenig verdutzter.

„Weil ich, wie du dich mit deinem erbsengroßen Hirn vielleicht gerade noch erinnern kannst, seit dem 7. Schuljahr nicht mehr als Sucher, sondern als Jäger gespielt habe und dabei weitaus erfolgreicher war!“

„Klar, du musstest ja auch nicht mehr direkt gegen mich spielen“, meinte ich mit einem verschmitzten Grinsen.

„Wenn du damit fertig bist dich selbst zu bewundern, dann kommen wir noch mal auf die Nationalsieben zurück. Also, machst du mit oder nicht?“

„Hmm, ich weiß nicht, das kommt irgendwie ein bisschen plötzlich und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich ganz aus der Zaubererwelt zurück zu ziehen...“

„Mensch, Potter! Muss ich dir das erst noch sagen? Ohne dich ist das Team aufgeschmissen, man kann nämlich auf den anderen Positionen noch so gute Spieler haben, ohne einen vernünftigen Sucher geht das einfach nicht! Und du bist nun mal der beste Sucher, den England seit Jahrzehnten gesehen hat!“

„Äh, danke“, meinte ich mit Augen groß wie Wagenräder. Um ein bisschen Zeit zu schinden fragte ich: „Machst du denn mit?“

„Würde das irgendetwas an deiner Antwort ändern?“, fragte Draco erst vorsichtig zurück.

„Nein, vermutlich nicht.“

„Ja, ich spiel als Jäger.“

„Hmm, ich weiß immer noch nicht... Ich hab ja eigentlich immer gerne Quidditch gespielt...“, philosophierte ich vor mich hin.

***

Na das konnte ja heiter werden, wenn Potter so unentschlossen war. Und dann musste er auch noch alles, was ihm in seinen Dickschädel kam laut aussprechen! Da konnte man noch nicht einmal an was anderes denken, bei dem ständigen Gelaber. Harry war wirklich etwas Besonderes. (Moment mal: Harry? Potter! Und besonders? Ganz bestimmt nicht!) Eigentlich hatte ich nur vorgehabt Harry zu fragen und dann schnellstmöglich mit der Antwort zum Ministerium zu verschwinden. Aber das konnte ich wohl vergessen! Harry (... Potter) schien sich immer noch nicht entscheiden zu können.

„Okay“, hörte ich ihn da auf einmal sagen, „ich mach’s!“

„Was?“, fragte ich erstaunt, mit einer so schnellen Antwort hatte ich nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten schon nicht mehr gerechnet.

„Sag mal, hast du mir überhaupt zugehört?“, fragte Harry (ach, Mist) und zog beleidigt einen Flunsch. Wie seine Augen in diesem Moment glänzten, als wollten sie mir noch einmal extra klar machen, dass ich etwas falsch gemacht hatte... Sie passten auch verdammt gut zu seinem rabenschwarzen Haaren und auch der smaragdgrüne Pullover harmonierte perfekt (kein Wunder, war ja auch die gleiche Farbe)... (Augenblick mal, was dachte ich hier eigentlich gerade??? Harry... nein Potter war mein Freund, äh, Feind oder Rivale oder so, den konnte ich doch nicht einfach gutaussehend nennen! Oder doch...? Moment, wer hatte was von gut aussehend gesagt? Hilfe! Rette mich wer kann!)

„Nee, nicht wirklich. Ich fand es ehrlich gesagt ziemlich langweilig dir beim Denken zuzuhören, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass du dazu überhaupt fähig bist!“ Mensch, wieso war ich so aggressiv? Warum hatte ich das gesagt? Ich wollte Harry doch nicht weh tun! (Doch!) Nein! (Doch!) Nei-en!!! (Wie du willst, das ist deine Entscheidung.)

„Halt bloß die Klappe, Malfoy! Du willst schließlich was von mir, nicht ich von dir!“ [Uh, ganz schön zweideutig...]

„Ja, ja, schon okay! Aber du sagst, du machst es?“

„Ja, aber ganz bestimmt nicht dir zu liebe!“

„Hatte ich auch nicht erwartet!“

Ha, darauf wusste er wohl nichts mehr zu sagen!

„Na, egal.“ – Ha, wusste ich’s doch! – „Dann erklär mir mal genauer, worum es geht!“

„Das Wesentlichste weißt du ja schon: Du wirst als Sucher für die englische Nationalmannschaft im Quidditch spielen. Die Quidditchregeln kennst du ja – oder hast du die etwa in so kurzer Zeit schon vergessen?“

„Natürlich nicht!“

„Gut. Also, dass ich Jäger bin, weißt du auch schon. Dann bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen, wer sonst noch in der Mannschaft ist: Hüter und Kapitän ist – war ja irgendwie klar – Oliver Wood geworden.“ – „Das war allerdings klar!“ – „Unterbrich mich nicht! Die anderen Jäger sind Marcus Flint und Roger Davis – du weißt schon, der, der mal Kapitän der Ravenclaw-Mannschaft war. Na ja und die Treiber sind die Weasley-Zwillinge“ – „Klasse! Aber ich dachte, die wären mit Weasleys Zauberhaften Zauberscherzen vollkommen ausgelastet?“ – „Nicht wirklich, sie meinten sie würden das Geschäft nebenher führen. Aber bist du nicht mit denen befreundet?“

Jetzt wurde Harry ein bisschen rot: „Schon, aber ich hatte in den letzten Monaten nicht so viel Kontakt zur Zaubererwelt...“

„Um genau zu sein, gar keinen, oder?“, setzte ich hinzu.

„Woher willst du denn das wissen?“

„Nun, es hat schon seinen Grund, warum ich zu dir geschickt wurde. Normalerweise hätten sie dich selber gefragt oder einen deiner Freunde und Bewunderer geschickt. Aber niemand wusste, wo du bist. Und da ich ja magisch nicht ganz unbegabt bin – du erinnerst dich vielleicht, ich hatte den zweitbesten Abschluss nach Granger“ – „Angeber!“ – „Pff! Die war ja zu beschäftigt damit ihre Hochzeit mit Weasley vor zu bereiten.“ – „Ron und Hermine heiraten?“ – „Ja. Die wahrscheinlich langweiligste Hochzeit des Jahres. Jedenfalls, lange Rede, kurzer Sinn: Ich wurde deshalb geschickt, um dich aufzuspüren und siehe da, es hat geklappt!“

„Aha.“ Wow, Harry, was Geistreicheres ist dir wohl nicht eingefallen.

Schweigen.

Noch mehr Schweigen.

Herr Gott noch mal, kann mal jemand was sagen?

„Na ja, ich geh dann mal...“ (Auch sehr geistreich!)

„Ja, gut!“ (Harry schaffte es doch immer, mich an Scharfsinn noch zu übertrumpfen.)

Ich war schon halb aus der Tür, als mir noch etwas einfiel: „Ach ja, Potter, jetzt wo du auch dabei bist: Wir treffen uns morgen um 10 Uhr am Quidditchfeld in Hogwarts, da haben wir nämlich unser Trainingscamp aufgeschlagen!“

Harry nickte nur. Mehr war da ja auch nicht zu sagen.

Also verschwand ich endgültig.

Ankunft

Ich war zu früh dran. Das passierte mir nur extrem selten. Eigentlich war ich die Unpünktlichkeit in Person. Doch heute war ich zu früh – und ich war nicht der Einzige; auf dem Quidditchfeld standen bereits zwei Gestalten. Ein platinblonder, junger Mann, Draco, sprach angeregt mit einem großen Dunkelhaarigen.

„Hi, Oliver. Malfoy“, sagte ich, als ich bei ihnen ankam.

Oliver Wood stieß einen Freudenschrei aus: „Harry!“ Dann fiel er mir um den Hals und wollte mich schier erdrücken.

So etwas ähnliches schien auch Draco durch den Kopf zu gehen, denn er zog Oliver grinsend von mir weg und meinte: „Pass auf, Wood, oder wir brauchen bald schon wieder einen neuen Sucher!“

Jetzt grinsten auch Oliver und ich.

„Da hast du wohl Recht, aber ich hab mich nur so gefreut, dass Harry wirklich gekommen ist. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass du dein Exil verlassen würdest“, sagte Oliver nun zu mir gewandt.

„Für Quidditch tu ich doch alles!“, grinste ich zurück.

„Gut zu hören!“, ertönten plötzlich zwei fast identische Stimmen hinter mir.

Ich fuhr herum, obwohl ich doch eigentlich schon wusste, wer das war, und ich hatte Recht: Fred und George Weasley stapften durch den Schnee auf uns zu.

„Hi, ihr beiden. Lange nicht gesehen.“

„Das lag aber nicht an uns!“, meinte Fred mit leicht vorwurfsvollem Gesichtsausdruck.

„Ich weiß. Ich brauchte einfach ein bisschen Zeit für mich...“

„Schon okay!“ George schlug mir freundschaftlich auf die Schulter. „Können wir nicht schon rein? Es ist ar... kalt hier draußen!“

„Ja ja, geht ihr vier schon mal ins Schloss, ich warte hier auf den Rest“, meinte Oliver mit einem nachsichtigen Lächeln.

Also setzten Fred, George, Draco und ich uns in Bewegung.

Die Zwillinge liefen ziemlich schnell vor und schon bald stapften Draco und ich nur noch zu zweit durch den Schnee. Das war die perfekte Gelegenheit, ihn noch ein wenig auszufragen.

„Du hast gar nicht erwähnt, dass wir auch im Schloss sein werden.“

„Muss ich vergessen haben. Wieso? Stört es dich?“

„Nicht wirklich, für mich war Hogwarts immer so etwas wie ein zweites Zuhause, aber ich wollte nicht unbedingt gleich wieder unter Menschen...“

„Komm, das packst du schon, du bist ja nicht allein, wir passen schon auf dich auf!“ (Täuschte ich mich oder wurde Draco dabei rot?)

„Danke“, das meinte ich ernst, es bedeutete mir tatsächlich etwas, das Draco das so sagte, ich fühlte mich nicht mehr so allein.

Er grinste verlegen zurück: „Keine Ursache!“

Dann schwiegen wir wieder. Oh, wie ich diese Stille zwischen uns hasste!

„Und, was machen wir da?“

„Wo?“

„Na, im Schloss!“

„Ach so! Na, wohnen, bis zur WM, dann ziehen wir natürlich um.“

„Oh.“ (Damit hättest du doch rechnen müssen, Idiot!)

„Hast du was anderes erwartet?“

Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich erwartet hatte. Aber das war es auf keinen Fall gewesen.

Also seien wir mal ehrlich: „Keine Ahnung.“

„Na ja, wir sollten uns jedenfalls beeilen. Die Zwillinge haben Recht, es ist wirklich kalt!“

Wir gingen ein bisschen schneller und hatten bald darauf das Schloss erreicht. Vor dem Portal blieben wir stehen. Draco sah mich fragend an. Ich atmete noch einmal tief durch und nickte dann. „Augen zu und durch“ (Auf ins Verderben!)

„Ich würde die Augen lieber auf lassen, sonst rennst du noch gegen den Türrahmen“, grinste er zurück.

Da musste ich auch lachen und gemeinsam betraten wir das Schloss.

Es war alles noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte. Die hohe Eingangshalle mit der Haupttreppe. Links der Eingang zur großen Halle, wo noch die letzten Langschläfer unter den Schülern frühstückten.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb blieb ich stehen und sah mich erst mal um.

Das war auch gut so, denn so entdeckte ich Peeves frühzeitig, der sich offenbar einen Spaß daraus machte, den Hereinkommenden Eiswürfel in den Nacken zu werfen, und konnte ausweichen.

Draco hatte nicht so ein Glück, ihn traf das Eis genau in den Kragen.

Er schrie auf und begann gleich darauf Peeves heftig zu verfluchen.
(„Alle hässlichen Dinge fangen mit ‚P’ an: Pickel, Pansy Parkinson, Pest, PEEVES!“)

Ich lachte auf, das hörte sich einfach zu komisch an, aber dann hatte ich doch Erbarmen mit Draco und ließ das Eis mit einem Wink meines Zauberstabes verschwinden.

„Danke“, meinte Draco, nun ebenfalls grinsend.

Sein Fluchen hatte allerdings einige Schüler auf den Plan gerufen und auch Fred und George waren wieder aufgetau(ch)t.

„Na, Draco, so geht das aber nicht! Was sollen denn die armen kleinen Schüler von dir denken?“, grinste Fred.

„Ha, ha, wie lustig, du hast ja nicht gerade die halbe Antarktis in den Nacken geschüttet bekommen!“

„Das ist ja mal wieder typisch. Du übertreibst maßlos!“, meinte nun auch ich.

„Ja ja, ich glaub das liegt an den Genen“, philosophierte George vor sich hin.

Jetzt konnte ich nicht mehr an mir halten und prustete los. Auch die Zwillinge begannen schallend zu lachen. Das war anscheinend ansteckend, denn auch die umstehenden Schüler lachten auf.

Nur Draco stand mit jetzt wieder todernstem Gesicht in unserer Mitte und fragte sich offenbar gerade, wie er so viele Personen auf einmal ins Sankt-Mungo bekommen sollte.

Da nahm ich mir ein Herz, bezwang unter großen Schwierigkeiten mein Lachen und lächelte ihn freundlich an.

Erst sah er doch noch relativ verwirrt aus, dann lächelte er aber zurück, offensichtlich froh, jemanden gefunden zu haben, der nicht vollkommen verrückt war.

Langsam beruhigten sich auch die Leute um uns herum.

Gerade wollte ich Fred fragen, wo wir denn eigentlich hin müssten, als eine schneidende Stimme durch die Halle schallte: „Was ist denn hier los? Was soll der Aufruhr?“

Moment mal, ich kannte diese Stimme. Und tatsächlich, als ich mich zum Eingang der großen Halle umwandte, sah ich Hermine Granger energisch durch die Menge auf uns zu stapfen.

Ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht. Alle Differenzen, die wir zwischendurch gehabt hatten, waren vergessen. Sie war nun einmal immer meine beste Freundin gewesen... Und ich war glücklich sie wiederzusehen. Ich wollte Hermine ansprechen, doch deren Augen hatten sich mit Falkenblick auf Fred und George gerichtet.

„Natürlich, ihr beiden seid angekommen, ich hätte wissen müssen, dass ihr wieder für Unruhe sorgt!“

„Was, Hermine, wir haben gar nichts gemacht!“, empörten sich die Zwillinge. Hermine war schon immer die einzige gewesen, die die beiden einschüchtern konnte.

„Ja, klar! Und ich bin die Kaiserin von China! Also wirklich...“

„Hallo eure Hoheit!“, meinte ich mit einem verschmitzten Grinsen, „die beiden sagen die Wahrheit, dafür ist Peeves verantwortlich.“

„HARRY!!!“, kreischte Hermine da. „Oh mein Gott, Harry, was machst du denn hier? Ich dachte, du wolltest bei den Muggeln bleiben? Was...?“

Das waren eindeutig zu viele Fragen auf einmal, also beschloss ich Hermines Redefluss erst mal zu unterbinden, indem ich sie umarmte.

Als wir uns wieder losließen, strahlte Hermine mich an. „Oh, Harry, ich freue mich so, dich wieder zu sehen! Aber jetzt erzähl mal, was verschlägt dich noch einmal hierher?“

„Was könnte Harry wohl besser motivieren als Quidditch?“, fragte Fred grinsend.

„Was? Heißt das, du bist im Team? Oh, Harry...“, Hermine schien vollkommen fassungslos.

„Sag mal, wie oft willst dieses ‚Oh, Harry’ heute noch wiederholen?“, mischte Draco sich ein.

„So ein Kommentar konnte ja wirklich nur von dir kommen, Malfoy!“, fauchte Hermine wütend. [Irgendwie klagt Hermine hier jeden an... *auffall**rot werd*]

„Tja, ist dir schon mal aufgefallen, dass du hier jeden anschnautzt?“ [Schlauer Draco, kriegst ’nen Keks *Draco einen Keks geb*]

„He, ihr zwei, hört auf euch zu streiten. Das nervt!“

„Genau, Harry, das ist ja kindisch!“, grinste George.

Die beiden Streithähne wollten jetzt uns anfahren, doch als sie uns grinsen sahen, war irgendwie die Luft raus und sie beruhigten sich wieder.

***

Wie machte Harry das nur? Er musste nur einmal lächeln und schon fühlte ich mich anders, besser, viel ruhiger. Es verwirrte mich total. Ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Langsam begann ich wirklich an meinem Verstand zu zweifeln. Was war nur mit mir los?

Ich bemerkte, wie meine Gedanken abdrifteten. Ach, Mist! Aber egal, das würde sich schon klären und wenn nicht... dann würde ich schon irgendwie damit klar kommen. (Hoffte ich.)

Ich blickte wieder zu Granger. Auch die schien sich wieder beruhigt zu haben, jedenfalls hatte sie aufgehört alle um sie herum anzuschreien.

„Ja“, sagte Harry jetzt zu ihr gewandt. Hä, Ja? Was sollte das denn jetzt? Ich musste das doch nicht kapieren?

Auch Granger schien einen Moment lang verwirrt, dann hellte sich ihr Gesicht auf. Ihr war offensichtlich ein Licht aufgegangen. Mir nicht, auch wenn ich das natürlich nie zugeben würde.

„Das ist ja fantastisch!“, meinte sie jetzt. Hä? Entschuldigung: Wie bitte?

„Hä? Entschuldigung: Wie bitte?“, kam es in diesem Augenblick von den Weasleyzwillingen.

„Quidditch. Ich bin genauso im Team, wie ihr drei. Schon vergessen?“

Ach so, das war ja schon ewig her, das Granger das gefragt hatte.

„Anscheinend ja“, grinste Harry.

Musste der immer so grinsen, da wurde einem ja ganz schwummrig bei!

Gerade wollte ich ihm irgendetwas Schlagfertiges an den Kopf werfen (à la: Ich wollte dir ja auch mal einen Triumph gönnen!), als ein kleiner Drittklässler auf Harry zutrat und schüchtern fragte: „Entschuldigen Sie, Sir, aber sind Sie Harry Potter?“, dabei sah er hoffungsvoll auf.

„Ja, schon. Wieso?“, erwiderte Harry, eindeutig verwirrt.

„Na ja, ich wollte sie fragen, ob...“, jetzt war der Kleine offensichtlich verlegen, „ob Sie mir ein Autogramm geben könnten?“

Fassungslos starrte Harry ihn an. „Wie?“

„Damit hättest du rechnen müssen.“ (Man, wieso war mir das jetzt raus gerutscht?)

Harry funkelte mich wütend an. „Ich dachte, ich hätte dir schon klar gemacht, dass ich nicht sonderlich scharf auf diese Art von Aufmerksamkeit bin. Und ich habe damit gerechnet. Genau deshalb habe ich mich nach Voldemorts Tod zurück gezogen. Und genau deshalb wollte ich vorhin nicht herkommen. Ich kann es nicht leiden, ständig angestarrt und als Held bezeichnet zu werden! Aber wie konnte ich erwarten, dass du das verstehst. Es hat schon seinen Grund, warum du damals nach Slytherin gekommen bist!“

Entsetzt sehe ich Harry an. So sauer hatte ich ihn noch nie gesehen! Ich schien es wirklich verbockt zu haben... Obwohl er doch ein bisschen überreagierte, oder?

„Harry, ich... ich wollte nicht...“, zu mehr reichte es bei mir im Moment einfach nicht. Ich war vollkommen durcheinander.

„Ja, ich weiß! Ihr wolltet nie irgendwas! Und ich bekommen immer alles in den falschen Hals! IHR SEID JA ALLE SO ARME, MISSVERSTANDENE WESEN!!!“

„Nein, Harry, das hab ich nicht gesagt, aber du solltest eigentlich wissen, dass gerade ich schon immer ehrlich zu dir war und wenn es nur darum ging, dir zu sagen, was du falsch gemacht hast! ALSO TU NICHT SO, ALS WOLLTEN WIR DIR HIER ALLE WAS BÖSES!!!“, jetzt schrie auch ich.

Doch aus irgendeinem seltsamen Grund, schien das Harry zu beruhigen. Er sah mich eine Sekunde lang ganz ruhig an, dann sagte er leise: „Du hast Recht, ich hab wohl überreagiert...“

Wie verlegen er aussah. Irgendwie richtig süß. (Äh, natürlich nicht süß, sondern ... äh ... fällt mir jetzt spontan nicht ein!) Dieser Anblick ließ mich unwillkürlich lächeln.

Jetzt sah er auf. Diese Augen! (Dra-co, lass das gefälligst, der Traum letzte Nacht war schon schlimm genug!)

Als er sah, dass ich lächelte, grinste er zurück. Harry, hör auf damit, bitte!

Hatte er meine Gedanken gelesen? Jedenfalls hörte er plötzlich auf zu grinsen und ich hatte das Gefühl, dass der Raum mit einem Schlag dunkler geworden sei. Nein, Harry, ich hab mich vertan! Bitte lächle wieder!!!

Und wirklich: Augenblicklich fing Harry wieder an zu grinsen. War ich das? Nein, das konnte nicht sein, aber was dann?

Ich drehte mich um. Hinter mir ihm Eingang zum Schloss standen Wood, Marcus und ... Angelina Johnson. Was machte die denn hier? Und wo war Davis?

Auch die Anderen schienen leicht verwirrt. Ich sah, dass Harrys Gesichtsausdruck fragend geworden war.

Nachdem das herrschende Schweigen schon etwas peinlich geworden war, begann Wood zu uns (also den Zwillingen, Harry und mir) gewandt: „Ihr fragt euch sicherlich, warum Angelina und nicht Roger Davis hier ist.“

„Allerdings.“

„Unterbrich mich nicht, Malfoy! Also, wo war ich stehen geblieben?“ – Oh, Gott, litt der auch noch unter Gedächtnisschwund? – „Ach ja! Angelina! Nun, das ist so, vor etwa 30 Minuten, kurz nachdem ihr gegangen wart, hab ich eine Eule von Roger bekommen, dass er nicht kommen könne und auch kein Interesse mehr habe, in der Mannschaft zu sein. Also hab ich Angelina eine Nachricht geschickt und sie gefragt, ob sie einspringen würde. Und wie ihr sehen könnt hat sie zugesagt.“

Aha! Jetzt wussten wir alles!

„Und wieso wollte Davis nicht mehr?“, das war einer der Weasley-Zwillinge. Nur welcher?

„Na ja, das ist ein bisschen komplizierter. Wenn ich den Brief richtig verstanden habe, dann ging es darum, dass Cho Chang, nachdem sie ihm erst Cedric Diggory, dann Harry und schließlich sogar Anthony Goldstein vorgezogen hat, jetzt endlich was von ihm will. Und er ist irgendwie schon lange in sie verliebt und will diese Chance nicht ungenutzt lassen, aber sie hat keine Lust, dass er jetzt lange Zeit weg ist. Oder so ähnlich...“

Irgendetwas in meinem Inneren zog sich zusammen, als er Harry im Zusammenhang mit Cho Chang erwähnte. Ich wusste nicht was und wieso, aber es brachte mich aus der Fassung.

Harry schien das viel gelassener zu sehen, er meinte nur:

„Dann ist unser Team wohl jetzt komplett!“

Zimmerwahl

Ja, das stimmte wohl, wir waren komplett.

Und ehrlich gesagt war ich froh, dass Johnson dabei war, ich hatte sie schon immer für eine bessere Jägerin gehalten als Davis. Ich wusste auch nicht, wieso Wood erst zu ihm gegangen war.

Obwohl, wenn ich mir ansah, wie er sie ansah, da hatte ich doch eine gewisse Ahnung...

Aber ich sollte mir echt keine Gedanken über die beiden machen, ich hatte ja mit meinen eigenen Gefühlen genug zu kämpfen. Ich wusste immer noch nicht, was da eigentlich los war. Wieso Harry mich so aus der Fassung bringen konnte?

In diesem Moment wurden meine Gedanken von Granger unterbrochen, die anscheinend vor hatte, wieder alles unter ihre persönliche Kontrolle zu bringen.

„Na, jetzt wo ihr alle da seid, kann ich euch ja mal zeigen, wo ihr schlaft. Folgt mir!“

Wofür hielt die sich eigentlich? Sich hier so aufzuspielen! Aber Harry lief ihr brav hinterher, also sperrte ich mich nicht und ging mit, allerdings nicht, ohne genervt die Augen zu verdrehen.

***

Ich war froh, dass Hermine die Führung übernahm. Schließlich hatte ich keine Ahnung, wo in diesem riesigen Schloss sie uns unterbringen wollten.

Allerdings hatte ich noch einige Fragen. Also schloss ich schnell zu ihr auf.

„Herm, was machst du eigentlich hier? Ich mein, du bist genauso wie ich schon einige Jahre aus der Schule raus...“

„Hat Malfoy dir das nicht erzählt?“

„Nein, eigentlich hat er nur erzählt, dass du und Ron... bald heiratet.“ Ich drehte mich zu Draco, der einige Schritte hinter mir ging um und sah ihn fragend an.

„Was?“, kam es prompt von ihm, „bin ich neuerdings deine private Nachrichtenagentur?“

Ich schüttelte nur den Kopf und wandte mich wieder Hermine zu, die in der Zwischenzeit ein erstaunliches Rot angenommen hatte.

„Ja, wir hätten dir ja auch gerne eine Einladung geschickt, aber du hast dich ja total abgeschottet...“

„Nicht so schlimm. War ja meine eigene Schuld!“

„Na ja, um noch mal darauf zu kommen, warum ich hier bin...“ – Na, nicht ablenken, Herm! - „Ich hab tatsächlich einen Job angeboten bekommen und zwar als Lehrerin für Zaubertränke – guck nicht so entsetzt, freu dich doch für die Schüler, dass sie jetzt nicht mehr bei Snape haben!“

„Stimmt auch wieder. Der hat uns ja schon den Unterricht versaut. Sind er und Remus jetzt eigentlich zusammen gezogen?“

„Ja, aber ich weiß wirklich nicht, wieso ihr euch über Severus beschwert. Ich fand ihn wirklich gut“, kam es plötzlich von Malfoy.

„Ja“, meinte nun Fred, „natürlich fandest du als sein kleiner Liebling ihn gut. Hätte ich wahrscheinlich auch, wenn ich immer von ihm bevorzugt worden wäre.“

„Jetzt fangt ja nicht an zu streiten. Ihr seid ein Team, vergesst das nicht!“, mischte sich jetzt auch Oliver ein.

„Wer sagt denn, dass wir uns streiten?“, das war wieder Draco.

„Es sieht meiner Meinung nach ganz danach aus, dass es genau darauf hinausläuft.“

„Quatsch!“

„Könnt ihr vielleicht mal die Klappe halten? Ihr streitet euch nämlich gerade!“, Hermine schien der Kragen geplatzt zu sein.

„Die einzige, die hier streitet bist du!“, fauchte George sie an.

Ich sah zu Angelina hinüber, sie sah zurück und meinte dann: „Na, das kann ja heiter werden!“

Ich konnte nicht anders, ich prustete los und auch Angelina stimmte in mein Lachen mit ein.

Die Anderen starrten uns an, als hätten wir nun vollkommen den Verstand verloren.

„Was genau ist daran so lustig?“, wollte Hermine wissen.

Draco schaute uns einfach nur perplex an.

Oliver zog die Augenbrauen zusammen.

Und die Zwillinge – die lachten einfach mit!

Ich sah mich ehrlich gesagt in diesem Moment nicht in der Lage, Hermine zu antworten, und Angelina schien es ähnlich zu gehen. Sie musste sich vor Lachen an der Wand abstützen.

Beleidigt blickte Hermine von einem zum anderen. Jetzt begann auch Draco zu grinsen und prustete kurz darauf los.

„Kannst du mir mal erklären, was so lustig ist?“, fauchte sie ihn an.

„Situationskomik“, mehr brachte er nicht heraus.

„Hä?“, jetzt sah Hermine ernstlich verwirrt aus.

Ich wartete, bis ich mich wieder so weit beruhigt hatte, dass ich es ihr erklären konnte.

„Ihr habt euch gerade darüber gestritten, dass ihr euch nicht streitet!“

„Wir haben nicht gestritten -“

„Jetzt fang nicht schon wieder an. Außerdem wolltest du uns doch zeigen, wo wir schlafen...“

„Okay, okay. Es ist nicht mehr weit. Nur noch um diese Ecke und...“

Wir standen in einer kleinen Halle, von der mehrere Türen abgingen. Sie war mit einem weichen Teppich ausgelegt, auf dem das Wappen von Hogwarts und das der englischen Quidditchmannschaft prangten. Eine Sitzgruppe mit 7 sieben bequem aussehenden mit cremefarbenem Leder bezogenen Sesseln stand um einen niedrigen Tisch gruppiert. Sonst war der Raum leer.

Hermine war stehen geblieben.

„Es gibt 3 Doppelzimmer und ein Einzelzimmer, wie ihr die aufteilt ist eure Sache! Ich muss mich jetzt wieder um meine Unterrichtsvorbereitung kümmern.“

Sie wollte schon gehen.

„Ach ja. Professor Dumbledore möchte euch heute beim Abendessen offiziell an der Schule begrüßen. Also seit pünktlich.“

Mit diesen Worten war sie verschwunden.

Einen Augenblick sahen wir ihr hinterher, dann sagte Oliver: „Also, die Zimmeraufteilung... Ich denke Angelina steht als Mädchen das Einzelzimmer zu.“ – Alle nickten. – „Und es wäre wahrscheinlich eine Menschenrechtsverletzung, die Zwillinge zu trennen.“ – Wieder allgemeines Nicken, vor allem von Seiten Fred und Georges. – „Dich, Flint, möchte ich gerne im Auge behalten. Du kommst mit mir auf ein Zimmer. Somit bleibt ihr zwei“ – Er sah Draco und mich an. – „übrig. Es tut mir Leid, aber ihr werdet euch wohl ein Zimmer teilen müssen.“

Na ja, das würde ich schon überleben. Draco hatte sich offensichtlich seit unserem letzten Treffen sehr verändert. Ich mochte den neuen Draco schon fast, auch wenn er sich die Grundzüge seines besonderen Charakters eindeutig bewart hatte.

Auch Draco schien nicht allzu entsetzt. Ich meinte sogar ein fast unmerkliches Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. Vielleicht würden wir ja ganz gut miteinander auskommen.

„Okay“, sagten wir gleichzeitig.

Ja, vielleicht würden wir wirklich ganz gut miteinander auskommen.

***

Es hätte sicherlich schlimmer kommen können. Wenn ich zum Beispiel mit Marcus in ein Zimmer gekommen wäre müsste ich jede Nacht sein wirklich extrem lautes Schnarchen ertragen. Wood würde seine Entscheidung mit ihm sein Zimmer zu teilen spätestens heute Nacht bereuen. Oder einer der Zwillinge, der hätte bestimmt nur genervt.

Nein, mit Harry hatte ich es gar nicht so schlimm getroffen.

Und er schien es ähnlich zu sehen, denn er folgte mir sang- und klanglos in eines der Zimmer und ließ sich auf eines der Betten fallen.

Ich setzte mich auf das andere Bett und sah mich erst einmal genauer um.

Auch hier war alles möglichst gemütlich eingerichtet. An der einen Wand befand sich ein Kamin, vor dem zwei weitere Sessel von der selben Art standen, sie wir sie auch schon im Vorraum gesehen hatten.

Außerdem gab es die besagten zwei Himmelbetten (natürlich mit einem Quidditchemblem auf den Federbetten), einen kleinen Beistelltisch und zwei Schränke, in die wir unsere Sachen legen konnten.

Ich blickte wieder zu Harry hinüber, der zurücksah. Ich hatte das Gefühl in diesen wunderschönen, smaragdgrünen Augen versinken zu müssen, nie wieder auftauchen zu können.

Da senkte Harry den Blick und ließ ihn stattdessen durch den Raum schweifen, wie ich es zuvor getan hatte.

***

Ich konnte es nicht ertragen, Draco länger anzusehen. Sonst hätte ich mich womöglich noch zu etwas Unbedachtem hinreißen lassen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was genau es eigentlich war, wovor ich mich fürchtete, es zu tun.

Langsam erhob ich mich und ging auf einen der Schränke zu. Ich öffnete die Tür und zog derweil mit der anderen Hand meinen magisch verkleinerten Koffer aus der Tasche.

Schnell vergrößerte ich ihn wieder und begann damit, meine Sachen einzuräumen.

Auf einmal hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden und drehte mich um. Und tatsächlich, Draco blickte mir direkt in die Augen. Diesmal konnte ich mich nicht mehr von seinem Blick losreißen, er hielt mich gefangen.

***

Ich wusste nicht, warum ich Harry so anstarrte, aber ich konnte einfach nicht anders. Er faszinierte mich.

Wie er sich bewegte, wie er sich jetzt mit einer nervösen Geste das schwarze Haar aus dem Gesicht strich ohne den Blickkontakt zu unterbrechen.

Ich versuchte, seinen Blick weiterhin festzuhalten, als ich mich langsam erhob.

Unsicher ging ich einige Schritte auf ihn zu. Blieb dann ungefähr einen halben Meter von ihm entfernt stehen. Was machte ich da eigentlich? Was hatte ich vor?

Ich wusste es nicht. Oder doch? Aber das, was ich dachte, konnte es doch wirklich nicht sein, oder?

Ich konnte mich doch nicht wirklich in Harry Potter-? Nein, auf keinen Fall war ich in ihn verliebt!

Abrupt drehte ich mich um, um auf den anderen Schrank zuzugehen und meine Sachen einzuräumen.

***

Was war das denn gewesen? Was war in Draco gefahren?

Verdutzt starrte ich auf seine Rückansicht und wie automatisch wanderten meine Augen nach unten und blieben an Dracos wohlproportionierten Po hängen.

Schnell sah ich wieder weg und räumte meine restlichen Besitztümer in den Schrank ein.

Dann nahm ich mir ein Buch über Quidditch und ließ mich auf mein Bett fallen. Es war „Fliegen mit den Cannons“, das Ron mir vor Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte.

Ich hatte gerade eines meiner Lieblingskapitel aufgeschlagen, als die Tür schwungvoll aufgestoßen wurde und Fred und George hereinschneiten.

„Na, Harry, hast du die erste halbe Stunde mit Malfoy in einem Zimmer überlebt?“, fragte Fred mich gut gelaunt.

„Ja, und ich glaub ich werde auch noch den Rest überstehen, also hört auf zu sticheln...“

Moment mal, wieso verteidigte ich Malfoy? Ich war zwar mit mir übereingekommen, dass Draco sich verändert hatte und jetzt eigentlich ganz nett war (oder auch mehr...), aber das musste ich doch nicht gleich an die Öffentlichkeit tragen!

Auch die Zwillinge und Draco sahen mich erstaunt an.

Aber in Dracos Blick meinte ich noch etwas zu sehen – war das Hoffnung?

„Äh, ja, okay“, meinte George, „na ja, ihr zwei, wir wollten euch eigentlich fragen, ob ihr auch zur Besprechung kommt, die Oliver gerade mal eben spontan einberufen hat?“

„Ja, okay. Jedenfalls, was mich betrifft. Wie sieht es mit dir aus?“, fragte ich Draco, möglichst gut gelaunt.

„Klar.“

„Na dann mal los, ihr zwei. Runter zum Quidditchfeld!“, rief Fred und zog mich hinter sich aus der Tür.

Ja, wir sollten uns wirklich beeilen, Oliver konnte es nicht leiden, wenn man zu spät kam...

Quidditchtraining

5 Minuten später kamen Draco, Fred, George und ich unten am verschneiten Quidditchfeld an, wo die drei anderen Spieler uns schon erwarteten.

„Da seit ihr ja endlich!“, rief Oliver uns entgegen. „Das hat ja ewig gedauert!“

„Von wegen!“, keuchte Fred atemlos. „Wir haben wahrscheinlich einen neuen Streckenrekord aufgestellt!“

„Sicher doch“, meinte Oliver sarkastisch. „Beeilt euch mit dem Umziehen, wir haben Einiges zu besprechen und wollen heute auch noch trainieren!“

Schnell trollten wir uns in die Umkleidekabinen und zogen unsere Quidditchumhänge in den englischen Farben an, wobei wir laut Fred schon wieder einen Rekord aufstellten.

Dann liefen wir wieder auf das Feld hinaus.

„Also“, begann Oliver ohne lange Vorrede, „ihr alle wisst, dass wir nur wenige Monate haben, um ein eingespieltes Team zu werden. Die WM ist schließlich schon im Frühling! Also erwarte ich von euch allen vollen Einsatz! Wenn ihr euch nicht für dieses Team aufopfern wollt, dann könnt ihr gleich wieder gehen!“

Keiner bewegte sich auch nur einen Millimeter.

„Damit habt ihr eure Entscheidung getroffen.“

Oliver streckte seine Hand in die Mitte und wir schlugen alle ohne zu Zögern ein

„Na dann kann es ja los gehen! Fliegt euch erst mal ein bisschen ein, dann werden wir sehen, was ihr noch so draufhabt und wo wir beim Training besonders ansetzen müssen!“

Wir bestiegen unsere Besen und stießen uns vom Boden ab.

Ich beschleunigte auf meinem Feuerblitz so schnell es ging und flog einige Runden ums Stadion. Dann bremste ich wieder ab und sah mich um.

Auch die anderen machten sich gut. Doch wer aus meiner Sicht besonders aus ihnen herausstach, war Draco, der ein wenig unter mir seine Kreise zog.

Ich setzte zu einem rasanten Sturzflug an, um zu ihm zu gelangen und ließ ihn in einem eleganten Looping um Draco enden.

„Huch, Harry, du hast mich vielleicht erschreckt!“, keuchte er.

„Sorry, wollte ich nicht“, grinste ich ihn an.

„Idiot!“, lachte Draco.

Dann schien ihm eine Idee zu kommen.

„Komm mit!“, rief er und stürzte sich in die Tiefe.

Sofort verfiel ich selbst in einen Sturzflug und gab mir Mühe ihn einzuholen.

Zehn Meter über dem Boden hatte ich es geschafft.

Der Untergrund kam immer näher,

Fünf Meter.

Vier Meter.

Ich fühlte mich endlich wieder frei. Ja, so liebte ich es!

Drei Meter.

Zwei Meter.

Draco zog sich aus dem Sturzflug,

Ein Meter.

Auch ich zog meinen Besen im letzten Moment hoch und raste nun kurz über dem Boden dahin.

„Sag mal, bist du lebensmüde?“, drang Dracos Stimme durch meinen Geschwindigkeitsrausch. Wir flogen wieder nebeneinander her.

„Eigentlich nicht...“

„Merkt man! Du hättest dir den Hals brechen können!“

„Hab ich aber nicht!“

Er sah mich ernst an.

„Wenn du das noch mal machst... Wenn du mich noch mal so erschreckst... ICH DACHTE DU WÜRDEST STERBEN!!!“

„Ich...“, ich hatte ihn noch nie so wütend erlebt. „Ich...“, mehr brachte ich einfach nicht heraus.

„DU WAS?“

„Draco, ich wollte nicht... ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst.“ Ich schwieg betreten und senkte den Blick.

„Schau wieder hoch, sonst fliegst du noch wo dagegen!“ Jetzt klang Dracos Stimme eindeutig amüsiert, also wagte ich es, wieder aufzusehen.

Er schien die Unsicherheit in meinem Gesicht bemerkt zu haben. (Kein Wunder, Hermine sagte immer, man könne mir alles an der Nasenspitze ablesen...) Jedenfalls sagte er mit einem sanften (und echt umwerfenden) Lächeln: „Schon okay. Aber mach das nie wieder!“

Ich war mir noch immer nicht ganz sicher, fragte also lieber noch mal nach. „Du bist mir wirklich nicht mehr böse?“

Jetzt fing er an zu lachen. „Nein. Wie könnte ich dir böse sein, wenn du mich so lieb fragst!“

***

Harry war einfach zu niedlich, wenn er verlegen war! Er wurde dann immer leicht rot und seine Augen funkelten so schön...

Auch wenn ich es gerne geleugnet hätte - wenn er so aussah, hätte ich ihm alles verziehen. Er sah einfach zum Anbeißen aus!

Ich wurde in meiner Betrachtung Harrys durch einen lauten Pfiff aus Woods Pfeife gestört.

Wir sollten uns wieder treffen, na dann mal los. Und Harry und ich landeten direkt neben Wood, der genervt mit dem Fuß wippte.

Als letztendlich auch der letzte Spieler (Marcus. Und ich wette, dass er es mit Absicht herausgezögert hat, um Wood zu ärgern.) bei ihm ankamen, sagte er: „Das ging hier alles viel zu langsam! Allein Harry, Draco und Angelina hatten eine passable Reaktionszeit! Das reicht mir nicht. Ihr müsst alle möglichst schnell auf alles Mögliche reagieren können, sonst seid ihr im Spiel verloren!“

Betreten sahen die anderen zu Boden.

„Na ja, ich will euch ja nicht gleich zu Anfang runtermachen. Sehen wir erst mal, was ihr im Spiel so drauf habt. Also, ich hab hier die Bälle und jetzt übt erst mal zusammen zu spielen. Natürlich spielt ihr auf meine Tore. Los, ab in die Luft.“

Und schon schossen sieben verschwommene Silhouetten in die Luft – diesmal konnte man sich über keine Reaktionszeit beschweren.

Wieder schallte ein gellender Pfiff durch das Stadion und die Bälle schossen in die Höhe.

Geschickt fing ich den Quaffel auf und schoss vor in Richtung Tor.

Doch ich merkte, dass ich so an Wood nicht vorbeikommen würde. Er konzentrierte sich auf mich, er würde halten. Es sei denn...

Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, dass Johnson auf einer Höhe mit mir flog. Kurz bevor ich die Torstangen erreicht hatte, spielte ich den Quaffel zu ihr ab. Wood wurde davon überrascht und Johnson machte das Tor.

„Tor!“

***

Während unter mir die Jäger loslegten, schoss ich in die Höhe, um mir einen Überblick über das Feld zu verschaffen. Dabei bekam ich natürlich auch das erste Tor von Angelina mit – und wie gut Draco sich ins Team einfügte.

Doch ich versuchte nicht weiter darauf zu achten, sondern hielt meine Augen nach dem Schnatz offen.

Nichts zu sehen. Oder doch? Nein, das war nur ein Lichtreflex auf Dracos Armbanduhr... Wieso sah ich eigentlich schon wieder zu ihm hin?

Schnell ließ ich meinen Blick weiter wandern.

Nach etwa zehn Minuten, in denen dank Olivers beeindruckenden Fähigkeiten als Hüter nur drei weitere Tore gefallen waren, sah ich wieder etwas blitzen.

Und diesmal war es tatsächlich der Schnatz!

Sofort stürzte ich in die Tiefe, während ich aus den Augenwinkeln wahrnahm, wie Draco ein wirklich atemberaubendes Tor erzielte.

Ich näherte mich immer mehr dem kleinen goldenen Ball. Er versuchte mir zu entkommen und zischte im Zickzackkurs um die Pfosten von Olivers Toren. Aber letztlich hatte er keine Chance.

Als er gerade wieder in die Höhe schießen wollte, streckte ich mich die letzten Millimeter und erwischte ihn, wobei er sich heftig wehrte.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht stieg ich wieder ein wenig in die Höhe und riss meinen Arm in die Luft. Ich hatte den Schnatz gefangen. Damit war unser Trainingsspiel beendet.

Jetzt sank ich wieder zu Boden, wo wir uns alle um Oliver sammelten.

„Das war so weit ganz okay. Besser, als ich erwartet hatte. Aber ihr müsst lernen, euch aufeinander abzustimmen. Vor allem du.“ Er blickte zu Flint. „Du kannst nicht immer alles im Alleingang machen, du musst auch mal an Draco oder Angelina abgeben. Sonst funktioniert das alles nicht. Ansonsten habt ihr alle ziemlich gut gespielt. Übrigens ein guter Fang, Harry. Aber trotzdem müssen wir vor der Weltmeisterschaft noch viel trainieren.“

Das klang ja vielversprechend... Ich seufzte leise. Doch andererseits liebte ich Quidditch und würde auch jede Sekunde auf dem Besen genießen.

„Jetzt geht euch erst mal duschen. Wir haben heute schließlich noch ein ‚gesellschaftliches Ereignis’ namens Abendessen zu absolvieren!“

Ach ja. Das hatte ich ganz verdrängt. Es würde bestimmt wieder ein Spießrutenlauf werden. Ich hasste es im Mittelpunkt zu stehen, aber es würde sich wohl nicht vermeiden lassen...

Stöhnend begaben wir uns in die Umkleidekabinen (wobei Angelina natürlich einen eigene hatte). Die anderen hatten wohl ungefähr genauso viel Lust sich beim Abendessen der gierigen Schülermeute zu präsentieren, wie ich.

Aber was muss, das muss.

In der Umkleide hatten wir es alle eilig, schließlich wollten wir nicht zu spät zum Essen kommen... (Wer’s glaubt.)

Jedenfalls zogen wir uns alle schnell aus. Und als ich gerade in der Dusche verschwinden wollte, sah ich IHN.

***

Schnell zog ich mir die verschwitzten Quidditchklamotten aus.

Wirklich Lust hatte ich nicht, mich nach dem Duschen der Meute im Schloss auszusetzen, aber ich konnte mich wohl nicht dagegen wehren. Außerdem ahnte ich, dass es für Harry noch weitaus schwieriger werden würde.

Wo wir gerade bei Harry waren – da stand er im Eingang zu den Duschen und blickte zu mir herüber.

Und wie er da stand!

Nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet, sodass ich seinen perfekten Oberkörper sehen konnte. Die Muskeln, die sich auf dem Bauch abzeichneten. Die breiten Schultern. Die muskulösen Arme, in denen ich jetzt so gerne gelegen hätte... (Moment mal, das ging jetzt aber echt zu weit!)

Er schaut mich immer noch an.

Sein Blick glitt über meine Figur. Über das Handtuch, das auch ich um die Hüften trug. Wieder hoch zu meinem Gesicht.

Für einige Sekunden sahen wir uns in die Augen.

Dann wandten wir uns beide mit hochrotem Gesicht ab und ich hörte, wie Harry hinter mir schnell in den Duschen verschwand.

Ich seufzte auf. Worauf das wohl noch alles herauslief?

Eine Dusche und ihre Folgen

Ich beschloss, noch ein wenig zu warten, bevor ich Harry in die Dusche folgte. Ich wollte ihm die Gelegenheit geben, Abstand zu halten, was ich nach dem, was gerade passiert war, auch bestens verstehen konnte.

Nach zwei Minuten konnte ich allerdings nicht länger so tun, als hätte ich noch irgendetwas extrem Wichtiges zu tun. Vor allem, weil Oliver mich immer wieder mit Blicken fast erdolchte, weil ich Zeit verschwendete.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auch in den Duschraum zu begeben.

Als ich eintrat konnte ich erst mal einen Moment lang rein gar nichts sehen, da alles voller Wasserdampf war.

Dann gewöhnten sich meine Augen an den Nebel und ich konnte immerhin einige Schatten erkennen, die unter den Duschen standen.

Ich ließ meinen Blick durch den gefliesten Raum schweifen, dann steuerte ich auf eine freie Dusche zu, die ziemlich in der Ecke lag, etwas entfernt von den anderen.

Ich ließ das Handtuch zu Boden gleiten, drehte das Wasser auf.

SCHEISSE! War das kalt!

Ich quiekte vollkommen nicht malfoyhaft auf.

„Was ist los, Malfoy? Hat die Dusche dich angefallen?“, drang die Stimme eines Weasleyzwillings zu mir.

Ich schnaubte wütend auf. Das war ja wohl die Höhe! Ich würde hier fast schockgefrostet und der riss auch noch Witze!

Ich schnappte mir den Duschkopf und richtete ihn in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war.

Sofort hörte ich ein weiteres erschrockenes Quieken.

„Ach du Scheiße! Das ist ja arschkalt!“

„Eben.“

„Mann, Malfoy, lass das!“

„Wieso sollte ich?“

„Deshalb.“

Und im selben Moment stürzte sich eine Gestalt auf mich und warf mich zu Boden.

Als ich aufprallte, stöhnte ich vor Schmerz auf. Wenigstens hatte ich mir nicht den Kopf angestoßen...

Wir rutschten noch ein bisschen über den Boden, dann blieben wir liegen. Fred oder George auf mir.

Als ich den durchtrainierten, warmen Körper auf meinem spürte, passierten zwei Dinge gleichzeitig: Ich lief knallrot an und ... bekam Probleme in den unteren Regionen.

Erschrocken keuchte ich auf.

Nein. Das durfte doch nicht wahr sein! Ich durfte doch nicht bei einem Jungen...

Doch, ganz klar, ich wurde hart!

„Na na, kleiner Draco! Nicht doch...“, hörte ich da auch schon die Stimme des Weasleyzwillings dicht an meinem Ohr.

„Verpiss dich!“, fauchte ich.

„Nicht so zickig, wenn ich bitten darf! Aber keine Angst, ich werde dein kleines Geheimnis schon nicht ausplaudern!“

„Das will ich dir auch geraten haben!“

„Ich sagte, nicht so zickig! Und außerdem...“

Was ‚außerdem’ noch war, sollte ich nie erfahren, da der Zwilling in diesem Moment von einem ziemlich wütend blickenden Harry von mir herunter gerissen wurde.

Wie gut er doch aussah, wie er da mit blitzenden, wunderschönen Augen da stand. (Nein, das hast du jetzt nicht gedacht!!!)

Und auf einmal war ich wirklich dankbar für den Nebel der Duschen. So bemerkte wenigstens niemand, dass meine Probleme immer ernster wurden.

Wie kam ich hier nur wieder raus?!

„Was soll das, George? Lass den Scheiß!“

„Was denn? Bist du etwa eifersüchtig?“

***

Wenn er gewusst hätte, wie Recht er damit hatte...

Es ging mir erst jetzt wirklich in den Kopf, ja, ich war eifersüchtig. Und zwar ziemlich massiv.

Er sollte gefälligst die Finger von MEINEM Draco lassen! (Ich sollte wirklich aufhören, so was zu denken.)

„Nein, wieso sollte ich?“

„Ich weiß nicht – vielleicht, weil du auf ihn stehst?“

„Hä?“ Es war nicht so, dass ich ihn nicht verstanden hätte, aber das ging nun wirklich zu weit! (Und außerdem kam es der Wahrheit unangenehm nahe.)

„Also wirklich, Harry! Das heißt ‚Wie bitte’! Und tu nicht so, als hättest du mich nicht verstanden. Ich habe dir eine Frage gestellt und erwarte eine Antwort.“

„Und ich erwarte, dass du nicht so einen Schwachsinn laberst!“

„Ach, ist es denn solcher Schwachsinn?“

„Ja!“

„Heißt das, dass du nicht auf Malfoy stehst?“

„Halt doch die Klappe!“

Mit diesen Worten drehte ich mich um und verschwand aus den Duschen.

Na toll. Super gemacht, Harry! Jetzt werden sie erst recht denken, dass du auf ihn stehst! (Ist es denn nicht so?) Klappe!

***

Erstaunt sah ich Harry hinterher.

Er hatte nicht ‚Nein’ gesagt! Das war der einzige Gedanke, der im Moment wirklich Platz in meinen Gedanken hatte. Er hatte nicht gesagt, dass er nicht auf mich steht!

„Oh Mann, hat der schlechte Laune.“

Die Stimme des Weasleys - wie ich jetzt wusste, war es George - riss mich aus meinen Gedanken.

„Lass ihn doch.“

Oh Gott! Bin ich das gewesen? Bitte nicht!

„Ach, du verteidigst den lieben Harry?“

Doch! Mist!

Georges Augenbrauen zuckten in die Höhe.

„Das geht dich einen Scheißdreck an!“

Und damit stürmte auch ich aus den Duschen.

Echt gut gemacht, Draco! Jetzt sind sie sich sicher, dass du auf ihn stehst! (Ist es denn gelogen?) Schnauze!

Als ich wieder in der Umkleide stand, sah ich gerade noch, wie ein Umhangzipfel aus der Tür verschwand. Harry war also gerade gegangen.

Irgendwie war ich enttäuscht. (Nein, es war NICHT so, dass ich ihm gerne beim Umziehen zugesehen hätte!)

Schnellstmöglich trocknete ich mich ab und zog mich an.

Dann begab ich mich hoch zum Schloss. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass so viel Zeit vergangen war, doch als ich auf meine Armbanduhr zeigte diese vier Uhr nachmittags an.

Erst jetzt merkte ich, wie mein Magen sich bemerkbar machte, indem er laut knurrte. Wir hatten das Mittagessen verpasst.

Also nahm ich mir vor, den Küchen einen Besuch abzustatten.

Gesagt getan: Gute zehn Minuten später stand ich vor dem Portrait und kitzelte die Birne.

Sofort öffnete sich die verborgene Tür und eine Schar Hauselfen kam mir entgegen gewuselt, sodass ich fast von ihrem Ansturm überrollt wurde.

Allen voran: Kreacher!

Der war nämlich bei Harrys Abgang aus der Zaubererwelt von diesem nach Hogwarts versetzt worden.

„Master Malfoy! Wie schön, Sie wieder zu sehen! Können die Hauselfen etwas für Sie tun, Sir?“, quiekte der Elf.

„Eigentlich habe ich nur das Essen verpasst und wollte fragen, ob ihr noch etwas übrig habt?“

„Sicherlich. Was wünschen Master denn? Wir haben: WienerSchnitzelPastetenSalatSpaghettimitBolognesesoßefrischgebackenePlätzchenVanilleeisScholleRotbarschmitButtersoße“

„Stop, stop! Da kommt man ja gar nicht mehr mit! Habt ihr nicht so was wie ein Sandwich?“

„Ja, sicher doch! Wir haben: Salami, Schinken, Käse, Tomaten, Salat, Gurken, Streichwurst, Marmelade und Streichkäse. Aber wenn der junge Master es wünscht, können die Hauselfen auch noch andere Dinge besorgen!“

„Äh, nein danke. Am liebsten hätte ich Käse...“

„Natürlich! Welche Sorte würden Sie denn bevorzugen? Zur Zeit haben wir:...“

Jetzt schnitt ich Kreacher das Wort ab, bevor er richtig losgelegt hatte: „Ganz einfachen, normalen Cheddar Das reicht vollkommen!“

„Wie der junge Master wünschen!“

Langsam, aber sicher fragte ich mich, ob es so eine gute Idee gewesen war, in die Küche zu kommen.

Doch beim Anblick des riesigen Tellers Sandwiches, die die Hauselfen mir gemacht hatten, verflog diese Frage relativ schnell. Sie sahen wirklich köstlich aus, aber das würde ich ganz sicher nicht alleine schaffen. Ob Harry vielleicht Hunger hatte...? (Nein, ich hatte keine Hintergedanken dabei!)

Vor unserer Zimmertür angekommen, wollte ich sie mit dem Ellenbogen öffnen, aber – sie war verschlossen!

Was sollte denn das?

„Hey! Potter, mach die Tür auf!“

„Verpiss dich!“

Irrte ich mich oder hatte Harrys Stimme verheult geklungen?

„Nein, ich habe eine starke Blase, aber lass mich endlich rein!“

„Ich hab gesagt, du sollst abhauen! Lass mich in Ruhe!“

Doch, er klang eindeutig verheult!

„Was ist denn mit dir los? Komm, lass mich bitte rein, vielleicht kann ich dir helfen!“

„Verschwinde endlich!“

Langsam wurde ich ungeduldig.

„Hör zu, Potter, das ist auch mein Zimmer und wenn du nicht innerhalb von 30 Sekunden die Tür aufmachst, spreng ich sie auf und du kannst heute Nacht draußen auf dem Fußboden schlafen!“

Anscheinend zeigte meine Drohung Wirkung: Jedenfalls hörte ich ein leises Klicken und die Tür schwang auf.

Fluss der Tränen

Vorsichtig stieß ich die Tür auf und lugte ins Zimmer.

Harry saß auf dem Bett, den Kopf zwischen den Knien und weinte eindeutig.

Das verwirrte mich, da ich eigentlich keinen Grund dafür erkennen konnte.

Doch ich schob meine Verwirrung erst mal beiseite, setzte mich neben ihn und nahm ihn in den Arm.

„Was ist denn mit dir los?“

„Nichts, lass mich in Ruhe!“, fauchte er mich an, wehrte sich aber nicht gegen meine Umarmung.

„Ja sicher! Du weinst ja auch wegen nichts! Komm, sag schon, was ist los?“

„Das geht dich nichts an!“

„Na gut, dann geht es mich halt nichts an! Kannst du es mir nicht trotzdem sagen?“

„Nein. Aber ich muss zugeben, deine Hartnäckigkeit verblüfft mich.“ Sprach’s und kuschelte sich sogar ein bisschen an mich ran.

Das ließ mein Herz schneller schlagen, doch ich versuchte, Ruhe zu bewahren und mir nichts von dem kribbelnden Gefühl in meinem Magen anmerken zu lassen.

„Ach wirklich? Ich kann mich erinnern, dass eine gewisse andere Person in diesem Raum in der Schule immer weitaus hartnäckiger und sturköpfiger war als ich, und es anscheinend immer noch ist. Schließlich hast du deinen Dickschädel schon wieder durchgesetzt!“

Ein leichtes Lächeln legte sich auf Harrys Lippen: So gefiel er mir eindeutig besser.

„Was ist denn das? Unser Trauerklos lächelt doch nicht etwa wieder?“ Ich konnte es einfach nicht lassen, ihn ein bisschen zu necken.

Doch er erwiderte darauf nichts, nur sein Lächeln wurde noch ein bisschen breiter.

„Hat mein phänomenales Aussehen dir etwa die Sprache verschlagen?“

Jetzt lachte er laut auf und schubste mich weg.

„Du bist wohl überhaupt nicht eingebildet?“

„Nee, wie kommst du denn auf die Idee?“

„Hm, lass mich mal überlegen, wie könnte ich darauf kommen? Vielleicht, weil du dich gerade vollkommen unbegründet in Eigenlob gebadet hast?“

„Vollkommen unbegründet?“

„Na ja, vielleicht nicht vollkommen unbegründet, aber übertrieben war’s doch!“

Ich beschloss das Thema zu wechseln.

„Hast du Hunger?“ Ich deutete auf das Tablett mit den Sandwiches.

„Ja, eigentlich schon, aber müssen wir nicht gleich zum Abendessen? Wenn wir das wirklich essen sollten, dann haben wir doch gleich überhaupt keinen Hunger mehr.“

„Du willst doch genauso wenig wie ich dorthin und wenn wir keinen Hunger haben, werden wir weniger essen und dann können wir schneller wieder weg!“

„Das entbehrt nicht einer gewissen Logik...“

„Wie bitte?“

„Sorry, ich bin wohl einfach schon ein bisschen lange mit Hermine befreundet! Die sagt so was auch immer...“

„Verstanden habe ich das jetzt trotzdem nicht...“

„Vergiss es! Gib mir lieber ein Sandwich.“

Ich hielt ihm das geforderte Sandwich hin und nahm mir ebenfalls eins.

Eine Weile saßen wir einfach nur da und aßen. Dann begann Harry plötzlich wieder zu sprechen:

„Warum hast du das damals gemacht?“

Was sollte ich bitte darunter verstehen? Ich war vollkommen verwirrt und entsprechend geistreich viel auch meine Antwort auf Harrys Frage aus: „Hä? Wie jetzt... wann ‚damals’... wovon redest du überhaupt?!“

Wieder schlich sich ein Grinsen auf Harrys süßes Gesicht.

„Na, damals, als ich Voldemort getötet habe. Du hast mir geholfen, mir wahrscheinlich das Leben gerettet, wieso hast du das gemacht?“

„Oh!“ Das überraschte mich jetzt doch.

Ich musste erst mal darüber nachdenken, was ich dazu sagen sollte.

Schließlich begann ich. „Naja, weißt du, eigentlich hatte ich immer nur Angst vor dem dunklen Lord und bin ihm deshalb gefolgt... wir hatten auch allen Grund Angst zu haben! Schließlich war er seinen Anhängern gegenüber auch nicht nachsichtiger als bei seinen Feinden. Wenn wir nicht gespurt und alle Aufträge zu seiner vollkommenen Zufriedenheit erfüllt haben, war der Cruciatus noch das Wenigste, was uns erwartete...“

Hier stockte ich, ich hatte noch nie in meinem Leben über meine Zeit bei den Todessern geredet, noch nicht einmal mit meinen engsten Freunden, und ich wusste nicht genau, warum ich mich gerade Harry offenbarte, aber doch erschien mir richtig, auch wenn es mir schwer fiel.

Da spürte ich, wie sich ein Arm um meine Schultern legte und hörte eine leise, beruhigende Stimme an meinem Ohr: „Du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht willst. Es ist deine Geschichte und du allein kannst entscheiden, wer sie hören soll!“

Ich blickte auf und sah in Harrys tiefe, smaragdgrüne Augen. Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, ich muss es jemandem erzählen, ich hab es schon viel zu lange für mich behalten. Und ich glaube keiner ist dafür besser geeignet als du! Du hast schließlich auch etwas von dem Schrecken erlebt, den der dunkle Lord verbreitet hat, den er in jedem Wesen hervorgerufen hat. Aber wie gesagt, vom Schlimmsten habt ihr alle gar nichts geahnt. Weißt du, es gibt viele Methoden, um einen Menschen zu brechen und ihn gehorsam zu machen und nur wenige von ihnen haben mit Zauberei zu tun...“

Wieder stockte ich. Es war schwer und es brachte alle Erinnerungen wieder hoch... Erinnerungen an Voldemorts Gesicht, als er das Urteil über mich sprach... an das gefühllose Gesicht meines Vaters, den es nicht zu interessieren schien, was seinem einzigen Sohn widerfahren sollte... an starke Hände, die mich aus dem Raum und in die Kerker hinunter zogen... an das betäubende Gefühl der Angst... an das dreckige Grinsen auf Averys Gesicht... an den Schmerz... an das Stöhnen des Mannes über mir... an die Leere, die sich in mir breit machte... an Tränen... an das kalte Lachen des dunklen Lords... und an meinen Entschluss mich zu rächen, ihm alles, was er mir angetan hatte zehnfach zurück zu geben.

In diesem Moment fühlte ich mich wieder so hilflos, wie damals. Ein leises Schluchzen entrang sich meiner Kehle. Ich spürte, wie Harry mich noch ein wenig näher an sich zog und kuschelte mich an seine Schulter, denn zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich wieder wirklich geborgen.

Und wieder begann ich zu erzählen, breitete alles, was mich die ganze Zeit gequält hatte, vor Harry aus – und er hörte mir zu, unterbrach mich kein einziges Mal, sondern sah mich nur mit diesem verstehenden Blick an und hielt mich fest.

Danach saßen wir noch einige Zeit lang da, ohne etwas zu sagen, einfach nur die Nähe des anderen genießend, bis ich mich dazu durchrang, auch noch mein letztes Geheimnis in dieser Sache zu offenbaren.

„Aber das ist nicht der alleinige Grund, es gibt noch einen anderen, viel wichtigeren.“

Ein fragender Ausdruck trat in Harrys Gesicht. „Welchen?“

„Ich hatte Angst du würdest sterben. Ich hatte Angst dich zu verlieren. Ich wollte dir helfen!“

Erstaunt sah er mich an.

„Du hast das für MICH getan?“ Oh, wie süß er aussah, wenn er rot wurde!

***

Hatte ich das gerade richtig verstanden? Draco Malfoy, ehemals ungekrönter Prinz von Slytherin, hatte seinen Lord angegriffen, um MIR, Harry Potter, seinem Schulerzfeind, zu helfen?

„Ja.. eh… also… ehm… irgendwie schon… also, ich meine, wenn du es so ausdrücken willst…!“, bestätigte Draco stockend. Oh, wie süß er aussah, wenn er rot wurde!

„Oh.“ Super, Harry. Das war deine geistreichste Antwort seit langem!

Einen Moment lang wusste ich nicht wirklich, was ich tun oder sagen sollte, dann handelte ich einfach aus dem Bauch heraus und... fiel Draco um den Hals.

Damit hatte er wohl nicht gerechnet, denn er keuchte erschrocken auf. Doch bevor ich ihn wieder loslassen und mich umfangreich entschuldigen konnte, hatte er mich schon selbst in die Arme geschlossen und drückte mich an sich.

Ohne weiter zu überlegen, kuschelte ich mich noch ein bisschen näher an seinen warmen Körper und seufzte wohlig auf. Ich hatte mich noch nie in meinem Leben so geborgen gefühlt! Ich war einfach glücklich in diesem Moment.

Auch Draco schien es zu gefallen. Er schmiegte sich auch ein bisschen enger an mich und ich fühlte ein Kribbeln in mir aufsteigen.

Wir lösten uns wieder etwas voneinander und sahen uns in die Augen. Ich hatte das Gefühl, in diesen grauen Seen zu versinken.

***

Wir lösten uns wieder etwas voneinander und sahen uns in die Augen. Ich hatte das Gefühl in diesen grünen Seen zu versinken.

Langsam näherten sich unsere Gesichter wieder, während wir uns immer noch in die Augen blickten.

Ich konnte Harrys Atem auf meiner Haut spüren.

Unsere Lippen waren nur noch einen Zentimeter voneinander entfernt...

... und da flog die Tür mit einem lauten Knall auf und wir auseinander.

Und wer hatte mich im wahrscheinlich schönsten Augenblick meines Lebens gestört?

Genau: Ronald Weasley. Wo kam der eigentlich auf einmal her?

Er starrte uns einen Augenblick lang erstaunt an. Dann schien er zu beschließen, meine Anwesenheit einfach zu ignorieren, und wandte sich an Harry: „Hallo, Harry. Hermine hat mir geschrieben, dass du wieder aufgetaucht bist und ich bin hier um dir zu sagen, dass sie dir vielleicht verziehen hat, dass du dich einfach nicht mehr gemeldet hast, aber ich werde es nicht tun!“

Fassungslos starrte Harry ihn an.

„Was...?“, setzte er an. Doch dann wurde er vom Wiesel unterbrochen.

„Ja, du hast vor allem Hermine sehr wehgetan und das werde ich dir auf gar keinen Fall verzeihen. Du bist nicht mehr mein bester Freund, das hast du dir verspielt. Und außerdem...“, jetzt hatte er doch noch eine Seitenblick für mich übrig, „...hast du ja anscheinend schon genug Gesellschaft!“

Damit fuhr er herum und war schon wieder aus dem Zimmer verschwunden.

Einen Augenblick sah Harry ihm noch entsetzt nach, dann senkte er den Kopf. Seine Schultern begannen zu zucken. Er weinte.

Sanft nahm ich ihn wieder in den Arm, versuchte ihn zu beruhigen.

Dabei war ich in meinem Inneren alles andere als ruhig.

Wie konnte Weasley es wagen, meinem Harry so weh zu tun, dass er weinte? Dieses miese, kleine Arschloch! Das würde ihn noch teuer zu stehen kommen!

Während ich diesen Gedanken fasste, streichelte ich Harry über den Rücken und murmelte beruhigend auf ihn ein.

„Komm, beruhig dich, er hat das bestimmt nicht so gemeint. Er war wahrscheinlich einfach nur überrascht und überfordert mit der Situation. Er kommt schon wieder zu Sinnen! Nimm dir das jetzt nicht so zu Herzen, das klärt sich schon alles wieder.“

Harry schluchzte nur auf und verbarg sein Gesicht an meiner Schulter.

„Sht... das ist wirklich nicht so schlimm, wie du denkst. Ich verspreche dir, dass ich auf jeden Fall auf dich aufpassen und bei dir bleiben werde!“

Wo kamen diese Worte her? Ich hatte sie vorher nicht gedacht, doch es stimmte, ich würde alles tun, um Harry zu beschützen.

Harry hörte auf zu schluchzen und blickte mit seinen rotgeweinten Augen zu mir auf.

„Wirklich?“

„Ja klar.“ Ach Gott, sah er süß aus. Ich konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. Harry war auch einfach zu niedlich.

Auch er lächelte mich jetzt total lieb an.

Wieder schlug mein Herz schneller. Ein ganzer Schmetterlingsschwarm schien sich in meinem Bauch zu befinden.

„Danke.“

Wieder näherten sich unsere Gesichter einander. Wieder hatte ich das Gefühl das Himmelstor zu sehen. Und wieder... platzte jemand herein.

Oliver Wood.

„Oh, ich habe doch nicht gestört?“ Nöööööö, hatte er überhaupt nicht!

„Na ja, ich wollte euch nur sagen, dass wir bald zum Essen müssen. Macht euch also fertig. Wir treffen uns in einer dreiviertel Stunde in der Vorhalle.“

Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ unser Zimmer mit einer deutlich dunkleren Gesichtsfarbe als zuvor.

Ein verlegenes Lächeln auf dem Gesicht drehte ich mich zu Harry um meinte: „Sollen wir uns fertig machen?“

„Ja, klar.“

Auch er grinste mich verlegen an.

Gott, war er süß!

Das Kapitel ohne Namen

Mit gerunzelter Stirn stand Draco vor seinem Schrank und überlegte schon seit ungefähr einer Viertelstunde, was er denn nun zum Abendessen anziehen sollte.

Währenddessen saß ich schon die ganze Zeit über fertig angezogen und gestylt auf dem Bett und sah ihm belustigt dabei zu.

Nach weiteren zehn Minuten wurde es mir dann aber doch zu dumm. Ich stand auf und tippte ihm von hinten auf die Schulter.

Erschrocken zuckte er zusammen und sah mich dann fragend an.

„Was ist los?“

„Wir haben noch genau fünf Minuten, bis wir uns mit den anderen treffen müssen, und ich denke mal, dass du nicht gerne so auftauchen willst.“ Ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, denn Draco stand immer noch nur in Boxershorts vor mir. Um ehrlich zu sein, sah er dabei aber auch verboten heiß aus. Der schmale, doch trotzdem kräftige Körperbau, das leichte Sixpack, seine platinblonden Haare, die ihm elegant in die Stirn fielen, seine wunderschönen grauen Augen, die mich im Moment mit entsetztem Ausdruck ansahen, seine vollen Lippen, die sich gerade öffneten, um etwas zu sagen.

„Sag, dass das nicht wahr ist!“

Verdutzt sah ich ihn an, fing dann an zu lachen.

„Wieso?“

„Weil ich erstens noch nicht weiß, was ich anziehen soll, und mich zweitens auch noch um meine Haare kümmern muss. Ach ja, DAS IST NICHT LUSTIG!“

Dieses Statement brachte mich nur noch mehr zum Lachen.

„Wenn du willst, dann kann ich dir ja helfen.“

Draco sah mich erstaunt an und zog wieder einmal seine Augenbraue auf diese umwerfende Weise hoch.

„Jetzt guck nicht so! Sonst verlieren wir noch mehr Zeit!“

Entschlossen drehte ich mich um und blickte in seinen Schrank.

Als ich sah, wie viel Kleidung sich darin befand, fühlte ich mich erschlagen. Wie viele Klamotten konnte ein einzelner Mensch eigentlich haben? Und wie konnte er bei dieser Auswahl nichts Passendes finden?

Schnell hatte ich Bluejeans und ein langärmliges, hellblaues Hemd gefunden, die ich ihm nun hinhielt.

Er sah mich noch weitaus erstaunter an. Dann –

„Gute Idee.“

Schon hatte er mir die Klamotten aus der Hand genommen und war dabei hineinzuschlüpfen.

Einen Augenblick: Zurückspulen und auf Standbild. Er hatte sich nicht beschwert? Das war ja auch mal was Neues. Früher hatte er sich doch immer über alles beschwert, was ich tat...

***

Wow, das hätte ich Harry irgendwie gar nicht zugetraut - das Outfit stand mir tatsächlich!

Vielleicht lag meine Verwirrung einfach nur daran, dass er früher in der Schule immer diese unmöglichen Klamotten getragen hatte, in die er dreimal reingepasst hätte, was mich ihm automatisch jeglichen Sinn für Mode aberkennen lies.

Jedenfalls war ich für meine Verhältnisse echt schnell fertig – nur zehn Minuten zum Anziehen.

Als ich mich dann auch noch um meine Haare kümmern wollte, schien es Harry aber endgültig zuviel zu werden. Mit blitzenden Augen schnappte er sich meine Hand und zog mich kommentarlos aus dem Zimmer.

Ich wollte gerade anfangen zu protestieren – So konnte er mich doch nicht in die Öffentlichkeit lassen! - als wir auch schon von Wood zusammengeschrien wurden: „WIESO SEID IHR ZU SPÄT? WAS DENKT IHR EUCH EIGENTLICH DABEI? WENN IHR IM SPIEL AUCH IMMER ZU SPÄT KOMMT, HABEN WIR KEINE CHANCE BEI DER WM! ...“ Er schien noch weiterschreien zu wollen, doch wurde er von Harry unterbrochen: „Schon gut, Oliver. Tut uns leid, dass wir zu spät sind, aber im Spiel wird uns das ganz sicher nicht passieren – es sei denn Draco will sich mitten auf dem Quidditchfeld umziehen.“ Er grinste schon wieder, während ich spürte, wie ich rot anlief.

Plötzlich meinte einer der Weasleyzwillinge: „Wieso haltet ihr eigentlich Händchen?“

Eigentlich hatte ich gedacht, mein Gesicht könnte nicht mehr dunkler werden – Pustekuchen! Mittlerweile musste ich die Farbe einer überreifen Tomate angenommen haben. Wieso? Was hatte ich für ein Schwerverbrechen begangen, um das zu verdienen? Das war sowas von peinlich!

Ich meine, nicht dass Harry nicht ungemein süß, nett und sexy wäre, aber... Moment mal. Gedanken, raus aus meinem Gehirn!

Ich wollte gerade meine Hand aus seiner zurückziehen, als ich merkte, dass Harry keinerlei Anstalten machte, dies ebenfalls zu tun, sondern meine Hand eisern festhielt, also hielt ich still.

„Weil wir grade Lust dazu hatten. Spricht was dagegen?“ Harry, wieso hast du das gesagt? Bitte, Merlin, lass ihn das nicht gesagt haben!

Mit offenem Mund starrten die anderen uns an, während ich den Boden mental anflehte, sich doch aufzutun und mich und Harry zu verschlucken.

Doch Harry hatte anscheinend beschlossen noch einen drauf zu setzen und nutzte die Sprachlosigkeit der anderen aus.

„Außerdem wurden wir vorhin mehrmals bei etwas sehr Wichtigem gestört.“

Und bevor ich noch irgendetwas tun konnte, hatte er mich an sich gezogen und geküsst.

Ich fühlte mich wie im freien Fall. Alles um mich herum verlor an Bedeutung. Etwas in mir schien zu explodieren und als Feuerwerk den Himmel zu zieren, den ich doch von hier aus gar nicht sehen konnte.

Als ich Harrys weiche Lippen auf meinen spürte, war es um mich geschehen, ich legte eine Hand auf seinen Nacken und zog ihn noch ein bisschen näher an mich heran, um unseren Kuss zu vertiefen.

Sanft leckte ich mit meiner Zunge über Harrys Lippen und mir wurde Einlass gewährt. Er schmeckte einfach wundervoll, perfekt. Ein bisschen süß, ein bisschen würzig – eben Harry.

***

Als ich endlich Dracos Lippen auf meinen spürte, schienen die Schmetterlinge in meinem Bauch endgültig verrückt zu spielen. Ich schwebte auf Wolken. So intensiv hatte ich noch nie gefühlt. Noch nie hatte mich etwas so glücklich gemacht.

Von meinen Lippen ausgehend breitete sich ein angenehmes Prickeln in meinem Körper aus, wie ich es vorher nie gespürt hatte – weder bei Ginny noch bei Cho.

Ich wollte nicht, dass dieses Gefühl jemals endete – doch wie es in meinem verkorksten Leben nun mal so ist, nahm mal wieder keiner Rücksicht auf meine Wünsche. Am allerwenigsten Oliver!

„Wenn es euch nichts ausmacht, die Zunge aus dem Hals eures Gegenübers zu nehmen, dann würden wir jetzt gerne zum Abendessen gehen!“

Gott! Konnte der Kerl unromantisch sein!

Unwillig löste ich mich von meinem Draco, der ein Gesicht machte, das so ziemlich genau meine Meinung zu Olivers Kommentar wiederspiegelte – total angepisst!

Genervt verdrehte ich die Augen! Das konnte ja wohl nicht wahr sein!

Ich war kurz davor, Oliver anzumeckern, als ich spürte, dass Drays Hand sich immer noch in meiner befand. Das lies meine Wut seltsamerweise verrauchen.

Also zuckte ich nur die Schultern und meinte: „Okay.“, während ich Dracos Hand noch ein bisschen fester drückte.

Dafür erntete ich von ihm ein kleines, liebevolles Lächeln. Ich lächelte zurück. – Sein Lächeln faszinierte mich einfach!

Also machten wir uns nun alle auf den Weg in die große Halle.

Die Blicke der anderen Spieler ignorierte ich einfach gekonnt – ich hatte sowieso nur Augen für Draco – er sah einfach umwerfend aus. Wie ihm sein wunderbar seidiges Haar sanft ins Gesicht viel. Wie mich seine wundervollen tiefgrauen Augen fröhlich anblitzten. – Einfach zum Verrücktwerden!

Ich merkte kaum, wo mich meine Füße hintrugen – bis wir vor der Flügeltür zur großen Halle ankamen. Reflexartig blieb ich wie angewurzelt stehen.

Ich wollte da nicht rein. – Nein, auf gar keinen Fall! Ich würde nur wieder angestarrt werden; sie würden mit Fingern auf mich zeigen; hinter meinem Rücken über mich tuscheln; mutmaßen, warum der „Junge-der-lebt“ wieder aufgetaucht ist. – Das konnte ich nicht noch einmal ertragen!

Ich war schon kurz davor, mich einfach umzudrehen und zu verschwinden, doch dann erinnerte mich der sanfte Druck von Dracos Hand daran, dass ich nicht alleine war, dass er mir zur Seite stand.

Unsicher sah ich zu ihm. Er lächelte mir aufmunternd zu.

Also los – Augen zu und durch!

Abendessen

Oliver drehte sich noch einmal zu Draco und mir um. „Könntet ihr euch vielleicht loslassen? Wir wollen die Schüler ja nicht erschrecken.“

Irgendetwas in dem Ton, in dem er das sagte, gefiel mir nicht, doch ließ ich brav Dracos Hand los.

Oliver wandte sich wieder um und stieß die Türflügel auf.

Sofort schlug uns der Lärm von Hunderten von fröhlichen Schülern entgegen, der aber sofort verstummte, um dann in ein leises Gemurmel überzugehen.

Genau das war es, was ich befürchtet hatte: Alle Aufmerksamkeit lag auf uns.

Trotzdem (oder gerade deswegen?) betrat Oliver mit langen Schritten die Halle. – Und wir anderen brav hinterher.

Wir steuerten direkt auf den Lehrertisch zu.

Ich versuchte verzweifelt, mich nicht umzuschauen, die Gesichter, die mich anstarrten, mit Blicken fast in Stücke rissen, nicht anzusehen, sie alle zu ignorieren, meinen Blick nur auf den Lehrertisch zu fixieren. – Doch ich schaffte es nicht. Die Blicke, die auf mir ruhten, schienen mir zuzuschreien, ihre Entsender doch einmal anzusehen und irgendwann schien ich dem Druck, den sie mir auferlegten nicht mehr standhalten zu können. Ich sah mich um und erblickte eine scheinbar unendliche Masse an Gesichtern, die alle mir zugewandt waren, auf mich einströmten und mich fest fixierten.

Ich bekam Panik. Ich konnte es nicht leiden, angestarrt zu werden. Schon früher in der Schule war es für mich schrecklich gewesen, auf dem Gang von eigentlich vollkommen fremden Leuten erkannt und angesprochen zu werden. Doch nach meinem freiwilligen Exil in der Muggelwelt hatte sich mein Unbehagen dabei in reine Angst verwandelt. Ich fühlte sich wie ein Reh, dass von einem Rudel hungrig knurrender Wölfe umgeben war.

Ich wusste nicht mehr, wo ich mich befand. Alles schien sich um mich zu drehen. Mir war schwindelig und ich hatte das Gefühl, mich bald übergeben zu müssen. Meine Knie zitterten und ich wusste, sie würden bald nachgeben.

„Ganz ruhig, ich bin bei dir“, hörte ich plötzlich eine leise, liebevolle Stimme neben mir. Ich blickte mich um und sah direkt in Dracos wundervolle graue Augen.

Ich spürte, wie ich mich beruhigte. Das konnte doch nicht sein, dass allein diese Augen und seine sanfte Stimme meine ganze Panik einfach verschwinden ließen und ich durch sie meine Angst vollkommen vergaß.

Doch es war so. Ich hatte das Gefühl mich in diesen Augen zu verlieren, darin einzutauchen und nie wieder auftauchen zu wollen, in ihnen eine Heimat gefunden zu haben. Sie schienen alles andere unwichtig zu machen, es einfach auszublenden. Ich fühlte mich in diesem Blick geborgen und sicher.

„Erde an Harry. Gehen. Genau, einen Fuß vor den anderen setzen. – Und am besten machst du dabei den Mund zu.“ Dracos Stimme klang eindeutig amüsiert.

Ich merkte, wie ich rot anlief, doch ich wandte meinen Blick nicht von Dracos Augen ab, suchte in ihnen Halt, den ich auch fand.

Auf Drays Gesicht breitete sich plötzlich ein Grinsen aus. „An deiner Stelle würde ich stehen bleiben, sonst rennst du gradewegs in ... äh... Fred oder George rein...“

Augenblicklich blieb ich stehen und beschloss, dass es wohl besser wäre doch mal wieder nach vorne zu sehen – nur zur Sicherheit.

Und zu meinem Entsetzen blickte ich direkt in das Gesicht von Dumbledore. Hatte mich denn keiner vorwarnen können?

Seit ich Voldemort besiegt hatte, hatte sich mein Verhältnis zum Schulleiter von Hogwarts eindeutig verschlechtert. Wie er mich danach an die Öffentlichkeit gedrängt hatte... wie er sich in meinem Ruhm, die Welt vom schwärzesten Magier seit Salazar Slytherin befreit zu haben, gesonnt hatte, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass ich diesen Ruhm gar nicht wollte, dass ich einfach nur ich selbst sein wollte... wie er mich zu seinem Werkzeug gemacht hatte, mir immer nur so viel verraten hatte, dass ich tat, was er von mir wollte... dass alles hatte mir gezeigt, dass er doch nicht der liebe Großvater war, für den ich ihn immer gehalten hatte – letztendlich war er auch nicht anders als alle anderen, er versteckte es nur besser. Dass ich all die Jahre auf diese Fassade reingefallen war, machte mich wütend. Und als ich nun so vor ihm stand und er mir direkt ins Gesicht sah... hätte ich nicht Dracos beruhigende Gegenwart neben mir gespürt, ich hätte für nichts garantieren können!

Und dann begann der Alte zu sprechen: „Wie schön euch, das neue englische Quidditchteam, hier auf Hogwarts begrüßen zu dürfen. Oder eher euch zurückbegrüßen zu dürfen. Denn ihr habt ja alle schon in eurer Schulzeit hier bewiesen, dass ihr das Zeug zu Quidditchprofis habt! Wie gesagt: Willkommen zurück! Und jetzt: Haut rein!“

Die Schüler in der Halle begannen zu klatschen, während wir brav hinter Oliver her zu unseren Plätzen an einem Tisch neben dem der Lehrer dackelten.

***

Ich spürte, dass Harry neben mir nervös war. Sehr nervös.

Aber das wäre ich an seiner Stelle wohl auch... wer nicht? Denn wer wurde schon gerne angestarrt? (Okay, Wood mal ausgenommen...)

Der hatte sich auch gleich wieder an die Mitte des Tisches gesetzt, um ja im Mittelpunkt zu stehen und von überall gut sichtbar zu sein. An seiner linken Seite ließ sich jetzt Angelina Johnson nieder, zu seiner Rechten Markus Flint. Die Weasleyzwillinge schoben sich neben Johnson. Also blieben noch die beiden Plätze neben Markus für Harry und mich übrig.

Ich schob mich auf den Stuhl direkt neben Markus und Harry setzte sich neben mich, während er den Blick starr auf den Tisch vor sich gerichtet hielt.

„Hey“, murmelte ich. „Die werden dich nicht fressen, da musst du wohl eher Angst vor mir haben, ich find dich nämlich einfach unwiderstehlich!“ Ich konnte mir ein leicht laszives Grinsen nicht verkneifen.

Harry blickte auf und ich konnte sehen, wie seine Wangen sich röteten. – Das war einfach nur noch süß!

Ich spürte, wie mein Grinsen zu einem sanften, ehrlichen Lächeln wurde. Harry verdrehte mir wirklich völlig den Kopf.

Er lächelte zurück – und das Rot in seinem Gesicht wurde dabei noch dunkler. War das wirklich noch der Harry, der keine Probleme damit hatte, mich vor dem versammelten Team einfach zu küssen? Er wirkte auf einmal so schüchtern... aber das machte ihn für mich nur noch anziehender.

Ich leckte mir leicht über die Lippen. Wie durch Zufall ließ ich meine Hand unter den Tisch gleiten und noch zufälliger landete sie direkt auf Harrys Bein. Ich strich vom Knie aus immer weiter das Bein hinauf, kam seiner Körpermitte immer näher – als ich plötzlich Markus Ellenbogen in meiner Seite spürte.

„Oliver ... äh... Wood meint, dass ihr das lassen sollt. Er will nicht, dass das auffällt.“

Ich warf unserem Teamkapitän einen fragenden Blick zu, ließ meine Hand jedoch wo sie war.

Er fuhr sich einmal mit dem Finger über den Hals, wohl um zu verdeutlichen, was er mit uns machen würde, wenn wir nicht voneinander abließen.

Verwirrt nahm ich meine Hand von Harrys Oberschenkel. Was sollte das? Nicht nur ich schien mir diese Frage zu stellen, sie zeichnete sich auch deutlich auf Harrys Gesicht ab. Ich zuckte mit den Schultern, ich wusste schließlich auch nicht, was Wood damit bezweckte.

Also wandten wir uns dem Essen zu, das vor uns aufgetaucht war und tauschten nur hin und wieder verwirrte Blicke aus.

Aber sobald wir hier raus waren, würde Wood mir erklären müssen, was hier los war!