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Ein neuer Tod(esser)?


Heute war es soweit. Sein Vater und der dunkle Lord hatten beschlossen, dass heute, am 22.5.1998, der Tag sein würde, an dem Draco Malfoy in die Reihen der Todesser aufgenommen werden würde.

Er war nervös.

Und eigentlich wollte er auch gar kein Todesser sein. Im Gegensatz zu seinem Vater war er nämlich überhaupt nicht davon überzeugt, dass dieser Weg der einzig richtige sei. Er war viel mehr der Meinung, dass dies der einzig falsche Weg war.

Aber das konnte er nicht sagen: Es wäre sein Tod gewesen. Und man merkte ihm auch nichts an. Er spielte seine Rolle als Lucius Malfoys Sohn und Anhänger des dunklen Lords perfekt. Und er beherrschte Okklumentik ebenso perfekt, sodass nicht einmal der Lord in seinen Geist eindringen konnte, damit er nicht erfuhr, dass Draco ihm nicht so treu ergeben war, wie sein Vater, sondern insgeheim Informationen an Dumbledore weitergab.

Ja, seit dem vierten Schuljahr war Draco sich vollkommen sicher, dass er seinem Vater nicht mehr trauen konnte, dass dessen Ansichten die falschen waren.

Wie konnte dieser freiwillig zu diesem Irren zurückkehren, der doch schon zur Genüge bewiesen hatte, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. – Außerdem hatte er ihn mit Pansy Parkinson verlobt, was eindeutig auf eine weit fortgeschrittene, geistige Umnachtung hinweist.

Also war er zu der Person gegangen, die genau die entgegengesetzte Seite verkörperte, hatte sich ihm anvertraut: Harry Potter.

Der hatte ihm geraten, zu Dumbledore zu gehen. Und das hatte Draco auch getan und siehe da, der Schulleiter war sehr verständnisvoll und freundlich gewesen und hatte ihm seinen Schutz zugesagt - wenn Draco dafür bereit war, einige Informationen über die Pläne Voldemorts, die er über seinen Vater bekam, an ihn weiterzuleiten.

Draco hatte zugesagt, natürlich, und Harry würde als eine Art Briefkasten fungieren. Draco konnte jederzeit zu ihm kommen und mit ihm sprechen und Harry würde die wichtigen Informationen dann an Dumbledore weiterleiten.

So waren sie in einen viel engeren Kontakt getreten, hatten sich besser kennen gelernt... und waren schließlich Freunde geworden, ohne dass irgendjemand außer Dumbledore davon wusste.

Während des Unterrichts und wenn ihre anderen Freunde in der Nähe waren, mussten sie sich natürlich ganz wie immer – verfeindet – geben, damit Dracos Tarnung nicht aufflog.

Aber wenn sie sich spätabends oder auch nachts auf einem der Türme oder im Raum der Wünsche trafen, dann konnten sie sich alles erzählen, konnten dem anderen ihre tiefsten Geheimnisse anvertrauen.

Und bei einem dieser nächtlichen Treffen war es dann passiert...

~*~*~ Flashback ~*~*~

Wir standen nebeneinander auf den Zinnen des Nordturms und sahen auf das Schlossgelände hinab.

Keiner sprach ein Wort. Wir verstanden uns auch ohne Worte, meistens jedenfalls.

Außerdem waren die Eindrücke noch viel zu frisch, als dass ich hätte reden können. Die Eindrücke des Blutes – der Leichen – der vor Qualen schreienden Menschen – der sich windenden Körper – der allgegenwärtigen Zerstörung – und vor allem den Eindruck des Lachens des dunklen Lords, der sich an dem Blutbad unter ihm erfreute, der ein perverses Vergnügen dabei empfand, andere leiden zu sehen.

Bei der Erinnerung daran, was mein Vater mir gezeigt hatte – als Vorbereitung für den „großen Tag“ – lief mir eine Träne über die Wange. Ich, der ich doch gelernt hatte, meine Gefühle perfekt zu verbergen, ich weinte, konnte die Tränen einfach nicht zurückhalten.

Auf einmal stand er neben mir. Nicht mehr so wie vorher, näher. Und er nahm mich einfach in den Arm. Für einen Moment verspannte ich mich, wollte ihn zurückstoßen, doch dann merkte ich, dass diese Umarmung genau das war, wonach ich mich schon jahrelang gesehnt hatte.

Ich schmiegte mich in seine Arme, genoss seine Nähe, die Wärme, die er ausstrahlte, den Trost, den er spendete.

Er zog mich noch ein weniger enger an sich.

Ich blickte auf, in diese wunderschönen, smaragdgrünen Augen, die mich so faszinierten. Er schaute zurück. Sein Blick war so offen, wie ich es noch nie bei einem Menschen gesehen hatte. Und was ich dort sah, das ließ mich verstehen, was auch in meinem Blick liegen musste – ich liebte ihn.

Unsere Gesichter näherten sich einander, berührten sich fast. Und gerade dieses Nichtberühren machte mich fast wahnsinnig, also überbrückte ich den letzten Abstand zwischen unseren Lippen und küsste ihn.

Seine Lippen berührten meine, sie waren so warm, so weich. Ich hätte ihn am liebsten immer so fest gehalten. Doch gleichzeitig wusste ich auch, dass unser beider Schicksal vorbestimmt war, dass wir keine Zukunft hatten, dass keiner es verstehen würde.

Also löste ich mich nach einigen Augenblicken unter Aufbringen all meiner mentalen Kraft von ihm.

„Wir dürfen das einfach nicht, es würde alles gefährden, dich, mich, Dumbledores Plan...“

Er sah mich verletzt an, als hätte er nicht erkannt, dass es einfach unmöglich war, dass wir zusammen waren.

„Schon klar. Versuch gar nicht, dich rauszureden. Du willst mich nicht.“

Und mit diesen Worten drehte er sich um und verließ den Turm.

~*~*~ Flashback Ende ~*~*~

Und seitdem hatte Draco kein Wort mehr mit Harry gewechselt. Sie hatten sich nur noch kurze Briefe geschrieben, um die nötigsten Informationen über den dunklen Lord auszutauschen.

Ihre Freundschaft und alles, was vielleicht sonst zwischen ihnen gewesen war, schien zerstört.

„Draco, kommst du? Es wird Zeit!“

Die Stimme seines Vaters drang zu ihm durch und riss ihn aus seinen Erinnerungen.

Schnell stand er auf und lief hinunter in die Halle, wo Lucius Malfoy ihn schon erwartete.

Gemeinsam apparierten sie zum Hauptquartier der Todesser.

Dort wurden sie schon von Snape, Dracos Paten, erwartet.

„Ich dachte schon, ihr würdet zu spät kommen. Das hätte dem Lord gar nicht gefallen. Und ihr wollt doch nicht schon direkt einen schlechten Eindruck machen, oder? Also, folgt mir!“

Schnell liefen sie hinter ihm den Gang entlang. Er mündete in eine große, von Fackeln erhellte Halle, deren Wände schwarz angemalt waren.

An der Stirnseite befand sich ein großes, bedrückend wirkendes Portal, das sofort Dracos Aufmerksamkeit auf sich zog.

Was auch nicht unberechtigt war, wie sich Augenblicke später herausstellte, als das Tor sich öffnete und Voldemort hindurchschritt.

Schnell beugte Draco, wie die Todesser um ihn herum – wo kamen die so plötzlich her? -, sein Knie vor dem Lord.

„Ah!“, meinte dieser, als er sich in der Halle umgesehen hatte. „Unser Neuzugang ist auch da. Steh auf!“

Mit weichen Knien erhob sich Draco, wagte es aber immer noch nicht, aufzusehen.

„Nun, da du aus einer erhabenen Zaubererfamilie kommst, ist klar, dass du reinblütig bist. Und bis jetzt waren die Mitglieder deiner Familie mir immer äußerst treue und nützliche Diener. Also bleibt mir vor deiner Vereidigung nicht mehr viel zu tun.“

Hinter seinem Rücken hörte Draco das Rascheln von Stoff. Die Todesser hatten sich in Erwartung des Ereignisses erhoben.

„Lucius!“, sagte Voldemort mit kalter Stimme und das Familienoberhaupt der Malfoys trat vor. „Du als sein Vater wirst sicherlich bezeugen, dass er mir ein ebenso treuer Diener sein wird, wie du es bist, und auch die nötige Grausamkeit für die ihm bevorstehenden Aufgaben als Todesser mitbringt. Aber wir benötigen noch einen weiteren Zeugen. Wen hast du dafür auserwählt?“

„Den Paten des Jungen. Severus Snape.“

„Ah. Severus, komm her.“

Auch Dracos Pate erhob sich nun und stellte sich zu dem blonden Jungen.

„Allerdings musst du noch einen Beweis erbringen, dass Draco den gestellten Anforderungen entspricht.“

„Das ist einfach“, meinte Snape, zog ein Blatt Papier hervor und begann vorzulesen:

Liebster Draco,

Es gab eine Zeit, wo ich wirklich alles für Dich tat. Ich hätte Dich auf Händen getragen. Dir die hellsten Sterne vom Himmel geholt. Dir mein Herz und meine Seele zu Füßen gelegt.

Ich war für Dich da, wann immer Du gerufen hast. Ich habe mich um Dich gesorgt und gekümmert. Ich habe auf Dich aufgepasst, versucht Dir neues Vertrauen zu schenken.

Wenn Du am Boden warst, habe ich Dich aufgebaut und Dir wieder aufgeholfen.
Wenn Du gefallen bist, habe ich Dich jedes Mal aufgefangen.

Es gab eine Zeit, wo ich sicher war, dass Du der Eine für mich bist. Die Person, die mir immer Kraft geben würde. Die Person, die ich immer lieben würde. Die Person, mit der ich lachen wollte, weinen konnte, sicher war.

Doch Du hast bewiesen, dass du der Falsche für mich bist. Du hast mich enttäuscht, mich abgewiesen, als ich dir meine Gefühle endlich offenbart hatte.

Warum? Wir waren uns doch schon so nah!

Doch tief in Dir weißt Du genauso gut wie ich, dass es zu spät ist. Du hast mein Herz bereits gebrochen und ich werde sicher nicht noch einmal so dumm sein, Dir zu vertrauen.

Dieser Brief ist für all die Male die Du mir wehgetan hast. Für all die Zeit die ich bei Dir verloren hab. Für all die Male, die Du mich enttäuscht hast. Für den unendlichen Schmerz, den ich wegen Dir fühle. Für all die Male, die Du viel zu schwach warst, dazu zu stehen. Du selbst zu sein.

Vergiss mich!

Und auch wenn es weh tut, Dir das zu schreiben: Ich will Dich nie wieder sehen!
Dies ist der letzte Brief, den ich Dir schreibe. Versuche nicht mich umzustimmen.

H.


„Das dürfte endgültig beweisen, dass Draco durchaus grausam genug ist, ein Todesser zu sein.“ Snape schien äußerst zufrieden mit sich zu sein.

Draco hatte die ganze Zeit über wie erstarrt da gestanden. Jetzt, wo es vollkommen still war, begannen die Gedanken in seinem Kopf herum zu wirbeln.

Wo kam dieser Brief her? Draco hatte ihn nie erhalten.

Doch, was viel wichtiger war: Er war von Harry! Deshalb hatte er nicht mehr auf seine letzten Briefe geantwortet. Schrecklicher Schmerz breitete sich in Dracos Brust aus. Er hatte es vermasselt. Harry wollte ihn nicht mehr! Er würde ihn vielleicht nie wieder sehen. Ihm nie sagen können, dass er ihn eigentlich liebte. Dass er alles für ihn tun würde.

Mit tränenverschleierten Augen blickte er seinen Paten an: „Wo hast du den her?“

Erstaunt über Dracos Reaktion sagte Snape: „ Von deinem Vater!“

Draco wandte sich seinem Vater zu: „Wo hast du den her? Ich habe ihn noch nie gesehen.“

„Ich hab ihn auf deinem Schreibtisch gefunden – du hattest ihn noch nicht geöffnet und da hab ich gedacht...“

„...wo du schon mal die Gelegenheit hast, kannst du ja auch gleich im Leben deines Sohnes rumschnüffeln?“

„Naja, so war das eigentlich nicht gemeint. Ich wollte...“

„SO WAR DAS NICHT GEMEINT? ES WAR ABER GENAU DAS, WAS DU GETAN HAST!!!“, schrie Draco jetzt. Er merkte, wie er die Kontrolle über sich selbst, sein Handeln und Denken, verlor.

„Ich...“, setzte Lucius an.

„Seid still!“, wurde ihre Auseinandersetzung von Voldemorts zischender Stimme unterbrochen.

„Bitte um Vergebung, My Lord“, beeilte sich Lucius zu murmeln.

Doch Draco war zu aufgewühlt, um auf seine Umgebung zu achten.

Er fing heftig an zu schluchzen. Harry war für ihn für immer verloren. Er würde ein Todesser werden und auch als einer sterben müssen. Harry würde nie erfahren, wie sehr er ihn geliebt hatte.

„Nun, Junge. Dieser Brief hat mir einige interessante Einblicke in dich gewährt.“ Voldemorts Stimme drang durch den Nebel seiner Verzweiflung zu ihm.

Draco blickte auf.

Voldemort sah auf ihn hinab und sein abfälliges Grinsen wirkte siegessicher. Draco wusste, was dieses Lächeln für denjenigen, dem es galt, bedeutete: Den Tod.

Aber was...?

Dann ging es ihm auf. Nein! Das durfte nicht sein! Er konnte doch nicht...

Doch der Gesichtsausdruck des Lords machte all seine Zweifel zunichte. Draco hatte für einen Moment die Kontrolle verloren. Und genau diesen Moment hatte der dunkle Lord genutzt, um seine sonst so undurchdringliche Barriere um seinen Geist zu durchbrechen, um mehr über seinen neuen Untergebenen zu erfahren. – Zu viel, um Draco am Leben zu lassen!

„Das, was du mir gerade über dich verraten hast, ist wirklich interessant! Es ist doch schon Ironie des Schicksals, dass der Verräter sich am Schluss selbst verrät, nicht wahr, Draco?“

„Ich... ich weiß nicht, wovon Ihr sprecht, mein Lord!“

Er musste es wenigstens versuchen... doch er war sich sicher, dass es nicht funktionieren würde.

So war es auch.

„Also Draco! Man sollte nicht lügen! Außerdem ist es sowieso schon zu spät, ich weiß alles!“

Er schluckte. Er war verloren...

„Aber für das, was du getan hast, reicht eine einfache Bestrafung nicht... ich werde mir da wohl etwas Besonderes einfallen lassen müssen!“

Starr vor Schreck hockte er am Boden, nicht den Tod vor Augen. Nein, viel Schlimmeres harrte seiner. Er wusste, dass der Einfallsreichtum des Lords , was Strafen anging, unbegrenzt war.

„Nott, Avery. Bringt ihn ins Verließ, bis ich mir darüber klar geworden bin, was einem Verräter wie ihm zusteht!“

Grob wurde er an den Armen gepackt und hochgerissen.

In diesem Moment trat eine Gestalt aus der Todessermenge hervor. Sein Vater.

„Mein Lord, was kann mein Sohn so Schlimmes getan haben, dass er das verdient?“

„Er hat uns verraten! Bist du etwa genauso taub wie reinblütig? Aber er hat uns nicht einfach nur verraten, nein, er hat uns an Dumbledore und Potter verraten! Besonders an Potter, nicht wahr, Draco?“

Schnell drehte Draco den Kopf weg, um die Tränen zu verbergen, die ihm bei der Erwähnung Harrys in die Augen stiegen.

„Was denn? Wieso reagierst du denn so auf diesen Namen? Soll ich dir sagen, wieso? Ja, vielleicht sollte ich das... Du hast uns nicht nur an Potter verraten, du hast mehr getan, du hast eine richtige Freundschaft zu ihm aufgebaut. Aber das ist nicht alles! Dieser Brief – er ist von ihm, nicht wahr? Und er hat Unrecht, du kannst sehr gut fühlen, habe ich nicht Recht? Du liebst ihn!“

Hatte er wirklich so tief in seine Gefühlswelt eindringen können?

Draco spürte wie sein Gesicht rot anlief, doch er sagte nichts.

„Was...?“, kam es da entsetzt von seinem Vater. „Draco, ist das wahr?“

„Ja“, presste er zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Da fällt mir etwas ein, wo du doch gerade zugegeben hast, Potter zu lieben! Lasst ihn los!“

Sofort wurde Draco fallen gelassen. Er schlug hart auf dem Boden auf.

Entsetzt blickte er zum Lord empor.

„Was habt ihr vor?“

„Lass dich überraschen.“ Er begann, kalt zu lachen und bald lachten seine Todesser mit ihm.

„Genug!“, herrschte er nach einigen Augenblicken.

Sofort trat vollkommene Stille ein.

„Was habt ihr mit meinem Sohn vor?“ Das war Lucius, der es wagte die Lautlosigkeit zu durchbrechen.

„Er ist nicht mehr dein Sohn, er ist ein Verräter. Gewöhn dich schon mal an diesen Gedanken.“

„Aber...“

„Man widerspricht mir nicht! Aber du kannst dir sicher sein, Lucius, das war dein letzter Fehler! AVADA KEDAVRA!“

Augenblicklich brach Dracos Vater vor den Füßen des Lords zusammen.

„Nein!“ Dracos verzweifelter Schrei zuckte wie ein Blitz durch den Raum.

Doch es war zu spät, Lucius Malfoy war tot.

Draco wollte zu ihm stürzen, doch da hob der dunkle Lord erneut seinen Zauberstab: „Bleib wo du bist!“

Draco erstarrte mitten in der Bewegung.

„Gut so. Du lernst wohl aus den Fehlern deines Vaters. Aber jetzt wollen wir uns wieder deiner Bestrafung zuwenden!“

Wieder legte sich dieses gefährliche Halblächeln auf seine Lippen. Rote Augen sahen Draco mit einem verrückten Glitzern manisch an.

Plötzlich wandte er sich ab. Draco hörte leises Murmeln.

Und da, mitten in der Halle stand auf einmal Harry Potter.

„Nein.“ Diesmal drang das Wort nur ganz leise über Dracos Lippen. „Nein.“

Verwirrt sah Harry sich um. Er stand mitten in einem Raum voller Todesser.

Dann erfasste sein Blick Voldemort und fokussierte ihn.

„Was soll das?“ Seine Stimme klang weitaus selbstsicherer, als er sich fühlte.

„Was das soll? Nun ja, ich dachte, du würdest vielleicht gerne dabei zusehen, wie ich deinen Geliebten bestrafe!“

„Wie...?“

Da fiel sein Blick auf den am Boden hockenden Draco und auch ihm entwich ein kaum hörbares „Nein.“

Harry wollte schon einen Schritt auf seinen Geliebten zu machen, doch: „Stop! Nur einen Schritt weiter...“

Wütend und mit funkensprühenden Augen fuhr Harry wieder zu Voldemort herum.

„Was dann?“

„Dann bist du tot!“

„Ach, wirklich? Mein Tod ist mir so was von egal! Das was ich habe, ist eh kein Leben, das ist nur ein Vor-sich-hin-vegetieren! Ich scheiß auf mein Leben! Du hast es schon längst zerstört, was hindert dich daran, auch mich zu zerstören? Tu’s doch, wenn willst!“

Harry schrie all seine Angst um Draco, all seine Verbitterung über sein Leben ohne Perspektiven einfach heraus, er konnte das nicht mehr alles für sich behalten.

Vollkommen sprachlos starrte der dunkle Lord Harry an. So etwas hatte er noch nie erlebt, Potter hatte einiges vor ihm verborgen... Er hätte nie gedacht, dass er so wütend werden könnte!

Draco saß immer noch auf dem Boden, doch bemerkte er es kaum. Er sah nur Harry an, den Menschen, den er liebte, der ihn liebte – und dem er schrecklich wehgetan hatte. Er bewunderte ihn, dass er sich so stark gab, obwohl er, wie Draco aus ihren vielen Gesprächen wusste, schreckliche Angst haben musste.

Voldemort erwachte wieder aus seiner Starre.

„Wenn du es so willst...“

„NEIN!!!“ Draco stürzte vor und stellte sich zwischen Harry und den dunklen Lord.

„Aus dem Weg!“

„Draco, geh da weg!“

„Nein.“

Er würde sich nicht mehr umstimmen lassen. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Notfalls würde er sterben, um Harry zu schützen.

„Draco, bitte!“

„Nein. Ich liebe dich und werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert!“

„Du... du liebst mich?“

„Ja.“

Noch immer stand Draco zwischen Voldemort und Harry.

„Na, das reicht jetzt aber endgültig mit dem Geturtel!“, fuhr dieser in diesem Moment dazwischen.

„Und was dich angeht“, sein Blick ruhte auf Draco, „wenn du schon so danach verlangst getötet zu werden, da kann ich dir deinen Wunsch doch nicht unerfüllt lassen!“

Er hob den Zauberstab und zielte direkt auf Dracos Herz, während hinter Harry einige Todesser vortraten und ihn zu Boden warfen, sich aber dann seltsamerweise nicht weiter um ihn kümmerten – vielleicht fühlten sie sich in ihrem eigenen Terrain einfach sicher.

Wie erstarrt stand Draco da.

Wenn das der Preis für seine Liebe zu Harry war, dann würde er ihn zahlen! Er würde es sich nie verzeihen können, wenn er nur daneben gestanden hätte, während seine große Liebe getötet wurde.

Fest sah er Voldemort in die Augen. Nein, er würde nicht nachgeben!

Ein gefährliches Lächeln breitete sich auf dem Schlangengesicht des Lords aus. Er schien es wirklich zu genießen.

„AVADA KEDAVRA!“

Draco fühlte einen Stoß in die Seite und fiel zu Boden.

Als er aufkam presste sich die Luft aus seinen Lungen, die höllisch brannten.

Aber wieso brannten sie noch? Dürfte er nicht eigentlich nichts mehr spüren? Oder war der Tod anders, als er immer vermutet hatte?

War er tot?

Nein, ganz sicher nicht, der Tod konnte sich nicht so anfühlen, er durfte sich überhaupt nicht anfühlen!

Aber wieso?

Verwirrt sah er auf und sah neben sich eine kauernde Gestalt, der die wirren schwarzen Haare ins Gesicht hingen – Harry!

Er kroch zu ihm hinüber und strich ihm die Strähnen aus dem Gesicht.

„Was... was ist passiert?“

Harry erwiderte nichts, er wies nur mit dem Kinn auf die Stelle wo Voldemort gestanden hatte.

Jawohl – gestanden hatte. Denn nun lag er mit seinem schlangengleichen Gesicht auf dem verdreckten Boden. Zusammengesackt wie eine Marionette, der man die Fäden abgeschnitten hatte. Er rührte sich nicht mehr.

„Ist er...?“, hauchte Draco fast lautlos.

Doch Harry hatte ihn gehört.

„Ja. Jedenfalls wenn der Fluch so wirkt, wie er wirken soll.“ Ein leises Lächeln schlich sich auf sein Gesicht um sofort wieder zu verschwinden.

„Warst du das?“

„Ja.“

Damit zog er Draco hoch, der erst jetzt realisierte, wo sie eigentlich waren und dass die Gefahr noch längst nicht gebannt war.

Sie wurden noch immer von den Todessern umringt, die sie wohl nur noch nicht angegriffen hatten, weil der Tod ihres Lords sie zu sehr überrascht hatte.

Doch langsam begannen sie, sich wieder zu regen.

Als sie sich allerdings nach den beiden jungen Männern umsahen, fanden sie diese nicht mehr.

Harry war nämlich längst zusammen mit Draco an den Grimmauldplatz Nummer zwölf appariert.

Dort standen sie sich nun im Wohnzimmer gegenüber – zu nah, um es noch einen angemessenen Abstand zwischen zwei ehemaligen Erzrivalen zu bezeichnen, aber so, dass sie sich gerade nicht berührten.

Tief sahen sie sich gegenseitig in die Augen, suchten dort noch einmal die Bestätigung der Worte im Angesicht Voldemorts – und fanden sie.

Doch traute sich keiner den ersten Schritt zu machen.

Schließlich begann Draco zu sprechen.

„Wieso?“ Unverständnis spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder.

„Sagen wir es so: Es wäre mir egal gewesen, wenn sie mich getötet hätten.“

Mit diesen Worten verschloss Harry Dracos Lippen mit einem innigen, sanften und liebevollen Kuss, der ihn zum glücklichsten Mensch der Welt machte.